Eine verborgene Welt

Hunderte Höhlenschwalben kreisen um den dunklen Eingang der Carlsbad Caverns. Als wir uns ihm vom Besucherzentrum her nähern, starren wir von der Helle des Tages in die Finsternis, und sobald der Schlund uns verschluckt, lassen wir blauen Himmel und Sonne zurück. Unsere Augen brauchen einige Momente, um sich an die Dämmerung zu gewöhnen. Künstliche Lichter schaffen im Untergrund einen stimmungsvollen Schein, ohne den es unmöglich wäre, die Hände vor Augen zu sehen. Je tiefer der Pfad in die Erde vordringt, je niedriger sinkt die Temperatur, von 30 Grad Celsius auf die Durchschnittstemperatur von etwa 13 Grad. Die Luftfeuchtigkeit steigt hingegen von 10 auf 90 Prozent, und zum ersten Mal, seit wir in Neu Mexikos Chihuahua Wüste unterwegs sind, fühlt sich unsere Haut kühl und feucht an.

Ein Schild weist auf einen Seitentunnel hin, aus dem jeden Abend zwischen März und Oktober zehn-, bis hunderttausend brasilianische Bulldoggfledermäuse strömen, die aus Mexiko, Zentral-, oder Südamerika für den Sommer hierher gezogen sind. In einer einzigen Saison wurden 400.000 dokumentiert! Diese Fledermausart ist nur eine von insgesamt 16 im Park, stellt aber die bekannteste und zahlreichste dar. Die fliegenden Säuger haben wahrscheinlich Menschen schon von jeher auf die Existenz der Höhlen aufmerksam gemacht. Dieser Tunnel ist Touristen versperrt, doch waren wir am Abend zuvor beim beindruckenden Ausflug der Fledermäuse präsent, zusammen mit Scharen weiterer Beobachter. Nun malen wir uns aus, wie sie nach hoffentlich erfolgreicher Nachtjagd den Tag an ihrer Schlafzimmerdecke verbringen, und, quasi im Kopfstand, ihre Beute verdauen.

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Der kurvenreiche Pfad führt uns stetig in die Tiefe, und nach einer Meile erreichen wir eine Art Rastplatz, 230 Meter unter Tage gelegen. Toiletten, Picknickbänke, Getränkeautomaten, und Kiosks mit Souvenirs scheinen etwas fehl am Platz, und erinnern uns an diese andere Welt, die wir hinter uns gelassen haben. Hier liegt auch der Start zweier weiterer Touren. Eine ist nur nach Anmeldung mit einem Ranger zu begehen, doch eine zweite steht allen offen, und schlängelt sich durch den sogenannten Großen Raum (Big Room). Der relativ flache, wiederum eine Meile lange Weg ermöglicht uns, die Hauptattraktionen, sogenannte Speleotheme, aus nächster Nähe zu betrachten. Dieses köstliche neue Wort, das wir uns auf der Zunge zergehen lassen, umfasst Stalagmiten, Stalaktiten, und unzählige andere faszinierende Formationen. Wissenschaftlich gesehen resultieren sie von der Ablagerung der in Wassertropfen gelösten Mineralien über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg, doch daß dadurch Kunstwerke erstehen, ist wunderbar. Diese reichen von murmelgroß bis kolossal, von filigran bis robust. Wir entdecken Eisberge, Schneekegel, Knochen, portugiesische Galeeren, Zwerge, Wächter und pflanzenartige Gewächse. IMG_2169Zu den grazilsten Strukturen gehören sogenannte Vorhänge (draperies), die tatsächlich einem feinen, im Winde flatternden Stoff, ähneln. Was in meiner Phantasie Blumenkohl und Eiszapfen gleicht, ließ die ersten Beschreiber an Popcorn und Strohhalme denken. Auch vor weniger attraktiven Namen wurde sich nicht gescheut—Rotzfahne bedarf keiner weiteren Erklärung.

Wir sind überrascht, daß 95 % aller Gebilde „trocken“ sein sollen, und damit nicht mehr im Wachsen begriffen. Wir hören und fühlen, wie schwere Wassertropfen aus dem Finstern fallen, und stellen uns vor, daß die Besucher in 500 oder 1000 Jahren von einer neuen Silhouette begrüßt werden. Teilweise sammelt sich das Wasser auch in unterirdischen Seen an, und deren windstille Oberflächen zaubern perfekte Spiegelbilder hervor.

Wir können nur spekulieren, was durch den Kopf der ersten Forscher ging, aber es ist leicht vorstellbar, daß sie, ähnlich uns modernen Gästen, Ehrfurcht verspürten. Auch konnten sie es sich nicht leisten, an Klaustrophobie oder Angst vor der Dunkelheit zu leiden. Nur streckenweise standen sie auf solidem Boden. IMG_2144Oft hingen sie an Strickleitern im gähnenden Abgrund, ohne dessen Höhe und Tiefe zu kennen, oder mußten auf allen vieren durch enge Gänge kriechen, und all dies beim Schein einer Kerze, oder Öllampe. Die bizarre Schöpfung, die sich da im Schein einer Kopflaterne entfaltete, war überwältigend, wie frühe Augenzeugenberichte belegen, und in der Literatur über diesen Ort herrscht kein Mangel an Superlativen. Auch ist das Interesse an dieser Höhlenlandschaft bis heute ungebrochen.

Zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes sind die Aufzüge, die die Wanderer normalerweise wieder über Tage transportieren, schon seit 6 Monaten außer Betrieb, und so kommen wir nicht in Versuchung, uns den Rückweg per pedes zu sparen, sondern erleben die gewundene Strecke ein zweites Mal, in Gegenrichtung. Wir nehmen gemächlich unseren Abschied, und sättigen uns wiederum an den enormen Dimensionen und fabelhaften Formen. Dabei ist uns bewußt, daß uns nur ein minimaler Einblick in diese Unterwelt gewährt wurde, in nur einen von etwa hundert bekannten subterranen Räumen. Wer weiß, wie viele unbekannte und unerforschte Welten noch im Verborgenen schlummern?

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Weißer Sand

Nach mehreren Besuchen in Colorados Great Sand Dunes National Park, gelang es meinem Mann und mir im Mai 2016 endlich, uns den langgehegten Wunsch zu erfüllen, das White Sands National Monument in unserem Nachbarstaat Neu Mexiko zu erkunden. Die Dünenfelder beider Staaten erheben sich wie eine Fata Morgana aus der umliegenden Wüstenlandschaft und ähneln dem Werk einer Malerin, die ihren Pinsel in wellenförmigen Bewegungen über die Leinwand führte. Von ihrer Farbpalette wählte sie graue und rötliche Töne für Colorado, und schneeweiße für Neu Mexiko, wo der Sand aus Gips besteht. Wasser löst dieses Mineral aus den nahegelegenen San Andres Bergen und deponiert es im Lucero See im Tularosa Becken, wo es nach Verdunstung als transparente Kristalle ausfällt. Sobald diese in feine Sandkörner verwandelt werden, funkeln und glänzen sie im Sonnenschein, und ihr Anblick ist trotz Sonnenbrille fast schmerzhaft.

Im Zentrum des Naturparks in Neu Mexiko wird die Straße beiderseits von Sandbänken gesäumt. Schnee- oder Sandpflüge müssen diese Straße regelmäßig räumen, sonst würde sie schnell verweht. IMG_2009Sandbänke erinnern an Schneebänke, Sandverwehungen an Schneeverwehungen, Sandstürme an Schneestürme. Mein Mann beschrieb das Dünenfeld als Gletscher der Wüste, und rieselnden Sand als Sandlawinen, doch im Gegensatz zu vielen Gletschern ist diese Wüstenwelt von Hitze geprägt. Statt der Sandkörner unter den Schuhen würde er lieber Schnee knirschen hören, was ihn wohl zu diesen winterlichen Neologismen inspiriert hat.

Die Oberfläche der Dünen beträgt fast 300 Quadratmeilen und einzelne Dünen erreichen eine Höhe von etwa 30 Metern. Ohne Wegmarkierungen könnte sich der Spaziergänger leicht verirren. Es ist möglich, mit Rucksack zu einem Campingplatz zu wandern, doch obwohl wir bei diesem Besuch nicht von dieser Möglichkeit Gebrauch machten, hoffen wir, die Abgeschiedenheit der Wüstennacht im Rahmen einer zukünftigen Reise zu erleben.

Die vielfältige Flora und Fauna, die in diesen unwirtlichen Bedingungen überleben, geben Anlaß zur Bewunderung. An die Wüstenverhältnisse perfekt angepaßte Blumen, Büsche, und Gräser gedeihen, unter ihnen die eindrucksvolle Seiten-Palmlilie, deren unterirdischer Stamm eine Länge von 6 Metern erreichen kann. Fährten im Sand lassen Insekten, Reptilien, Vögel, und Säuger erkennen. Manche Tiere, wie zum Beispiel Eidechsen und Füchse, haben zur Tarnung und Hitzeregulation eine helle Farbe entwickelt. IMG_2037Die weitverbreiteten Raben sind aber nach wir vor rabenschwarz. Einige weißliche Eidechsenarten ließen sich von uns sehen, doch hielten außer Menschen zur Mittagszeit die meisten Lebewesen eine Siesta. Bei der hohen Lufttemperatur von fast 30 Grad genossen wir die relativ kühle und kreideartige Oberfläche des Sandes, die uns angenehm überraschte.

Ob rot, oder weiß, ob in Colorado oder Neu Mexiko, die Dünen sind ständig in Bewegung, bilden Wellen und Wirbel, und bedecken alles in ihrem Pfad. Sie transportieren den Beobachter in eine Welt die gleichzeitig weich und hart, anziehend und abschreckend ist. Beide schlagen weiterhin in meiner Erinnerung Wellen, und rufen mir Bilder einer außergewöhnlichen Schönheit in Erinnerung, von denen ich noch immer zehre. IMG_2038

 

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Sand und Wind

Wann immer ich durch das San Luis Tal im Süden Colorados reise, kann ich mir einen Abstecher zu dem Nationalpark Great Sand Dunes nicht verkneifen, und unterliege seinem unwiderstehlichen Sirenenruf. Dies war auch im April 2016 auf der Rückfahrt von Monte Vista der Fall, wo ich mich auf die Suche nach Kranichen gemacht hatte.

Stürmische Verhältnisse sind im San Luis Tal nicht ungewöhnlich, doch am Tage meines Besuches schien die Natur darauf erpicht zu sein, die Entstehung der Sanddünen zu simulieren. Ein starker Südwestwind wirbelte Staub gen Nordosten, wo er wie eine Gardine in der Luft hing, und die Sicht auf das Dünenfeld beeinträchtigte. Unter ruhigen Bedingungen sind die wellenartigen Hügel bereits von der Zufahrtsstraße aus zu sehen, doch an diesem Tag erblickte ich sie erst aus nächster Nähe hinter dem nebelartigen Vorhang. Sie lagen unter schneeweißen Wolken und blauem Himmel, und vor den noch in winterliche Spitzen gekleideten Sangre de Christo Berge, an deren Schulter sie sich schmiegen.

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Trockenes Flußbett

Der Medano Bach am südlichen Rande des Feldes fließt vor der Schneeschmelze nur zeitweise, und da er noch nicht mit Wasser angeschwollen war, konnte ich ihn trockenen Fußes überqueren. Nur wenige Menschen waren an diesem windigen Wochentag unterwegs, doch uns wurde eine besondere Behandlung zuteil. Ich hatte leider mein Halstuch zu Hause gelassen, und an seiner Statt sollte ein T-Shirt als Mund- und Nasenschutz herhalten, doch flatterte der Stoff zu sehr in der Brise, und die Sandkörner ließen sich nicht davon abbringen, sich unter meine Kleidung zu schmuggeln, und in alle entblößten Körperöffnungen einzudringen. Auf dem Gipfel der höchsten, fast 250 Meter messenden Düne, attackierten mich die Kristalle wie kleine, scharfe Pfeile. Die Böen waren so stark, daß ich nur unterhalb der Kuppe aufrecht stehen konnte, und von dort war es mir endlich möglich, die sinnlichen Rundungen der Dünen und das weite Tal zu meinen Füßen zu bewundern. Die für uns Menschen unwirtlichen Bedingungen schienen die dort lebenden Raben geradezu anzuspornen. Sie waren voll in ihrem Element, ritten die Lüfte wie eine Achterbahn, verliehen ihrer Begeisterung freien und lautstarken Ausdruck, und schienen mir zu raten, das Beste aus jedem Tag zu machen.

Wieder zum Auto zurückgeblasen, waren meine Augen unter der Sonnenbrille von einem Sandzirkel umringt, und in meinen Ohren, Nase, und Mund knisterte es. Aus meinen Schuhen und Socken entleerte ich Miniaturdünen. Wieder zu Hause angekommen rieselten Sandkristalle auf den Duschboden und riefen mir meine Stunden an einem der spektakulären Reiseziele Colorados in Erinnerung, bevor sie in den Abfluss trudelten.

Ich kann meinen nächsten Ausflug dorthin nicht abwarten.

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Dünenfeld mit San Luis Tal im Hintergrund

 

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Monte Vista

Die Vogelzüge der Kanadakraniche durch das San Luis Tal im Süden Colorados im Frühling und Herbst sind für Vogelliebhaber heißerwartete Jahreshöhepunkte. Im Jahre 2011 besuchte ich zum ersten Mal im März mit meiner Familie ein dortiges Kranichfest, und drei Jahre später allein. Ich erlebte, wie sich tausende dieser eleganten Vögel zur Nachtruhe auf einem Feld niederließen, und es am folgenden Morgen auf breiten Schwingen wieder verließen. Sie verteilten sich auf Felder nahe des Naturschutzgebietes Monte Vista, wo ihnen Mais und Getreide zur Verfügung gestellt werden, das sie nebst Insekten, Fröschen, Schlangen und kleinen Säugern verspeisen, um sich für ihre Reise zu stärken. Die trompetenartige Rufe der Kraniche und ihr faszinierendes Verhalten brannten sich in meine Seele, und als ich im April diesen Jahres wieder das Bedürfnis verspürte, einige Tage in ihrer Gesellschaft zu verbringen, begab ich mich per Auto auf die fast 300 Kilometer lange Reise von unserem Zuhause in Colorado Springs.

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Kanadakraniche

Theoretisch machen die Kraniche auf ihrem Weg von ihrer Winterheimat in Neu Mexiko zu ihren Brutstätten in der Nähe des Yellowstone Nationalparks etwa zwei Monate lang, von Mitte Februar bis Mitte April, in dem Gebiet um Monte Vista Halt. Als ich mich von Osten dem Ort näherte, sah ich im fernen Himmel dunkle Schwaden, die mir von meinen vorherigen Besuchen her als Kranichscharen bekannt waren. Ich befürchtete, es könnte sich dabei um die letzten Nachzügler auf ihrem Weg zur Sommerheimat handeln, da ich etwa 3 Wochen später dran war als bei meinen vergangenen Besuchen, und mein Verdacht verhärtete sich, als sich entlang der 4 Kilometer langen Straße durch das Naturschutzgebiet sowie in dessen Nachbarschaft kein einziger Kranich sehen ließ. Auch in ihrem vorherigen Nachtrevier war das der Fall. Als ich endlich einige charakteristisch heisere Kranichstimmen im Himmel hörte, frohlockte ich, doch außer einigen Dutzenden konnte ich keine weiteren ausfindig machen, und leider waren selbst diese zu weit entfernt, um ein scharfes Photo von ihnen zu erhaschen. Obwohl diese langbeinigen, langschnäbeligen, legendären Vögel, von denen 2.5 Millionen alte Fossilien bekannt sind, meinen ursprünglichen Reiseplänen zugrunde lagen, stellte sich schnell heraus, daß es weitere Schätze zu entdecken gab.

Auf den ersten Blick schien das Naturschutzgebiet Anfang April noch den Winterschlaf zu schlummern, und seine gedämpfte braune, gelbe, und rötliche Winterkleidung zu tragen. Getrocknetes Schilfrohr und karge Büsche nebst blätterlosen Weiden und Schwarzpappeln sangen noch nicht vom Frühling, obwohl einige grüne Sprossen im Sumpf und in den Tümpeln von seinem ersten Erwachen flüsterten. Andererseits war die Fauna bereits hellwach, und dementsprechend lautstark. Die Voll- und Teilzeitbewohner dieses Fleckens ließen sich weder von den noch kühlen Nacht- und Morgentemperaturen, noch von der fehlenden Üppigkeit der Pflanzenwelt abschrecken, und ihre Vielfalt und Aktivitäten kompensierten für jegliches etwaiges Verlustgefühl angesichts der niedrigen Kranichzahlen.

Langschwanzwiesel

Langschwanzwiesel

Morgens und abends wanderte eine Herde Rehe über die Felder, und tagsüber sprangen Kaninchen durch das Gestrüpp, eilten Streifenhörnchen von Stein zu Stein, und war ein augenfälliges Langschwanzwiesel so auf das Jagen konzentriert, daß es meine Nähe völlig ignorierte. Für eines der Hörnchen war des Wiesels erfolgreicher Jagdausgang leider ein Nachteil.

Vögel waren die sichtbarsten Vertreter der Tierwelt, und Rotschulterstärlinge die häufigsten. Sie sind mir von meinem Zuhause entlang des Fußes der Rocky Mountains gut bekannt, und waren so lauthalsig und schimmernd wie immer. Gelbkopfstärlinge übertrafen sie allerdings mit ihrem amüsanten Verhalten und ihren musikalischen Darbietungen. Deren männliche Vertreter mit ihren auffällig gelben Köpfen, schwarzen Körpern und weiß-dekorierten Flügeln verdrehten ihre Körper schlangenartig und klammerten sich an Schilfrohr, und ich taufte sie Clowns des Marsches.

Brillenstärlinge

Gelbkopfstärlinge

Das auffällige Gehabe der Stärlinge konkurrierte mit dem der Kanadagänse, deren Stimmung gereizt war, und die ihre Brutplätze vor Eindringlingen mit lautem Geschrei oder sogar mit Angriffen verteidigten. Blesshühner waren zahlreich vertreten und teilten ihren Lebensraum mit Enten, doch obwohl sie nahe mit Kranichen verwandt sind, ähneln sie schwimmenden Hühnern, woher wohl ihr Name rührt. Unter den Wasservögeln gab es neben Stockenten auch Krickenten, Spießenten, Ruderenten, Pfeifenten, Bergenten sowie Büffelkopfenten, und was Watvögel anbelangt, waren Keilschwanzregenpfeifer sowie Säbelschnäblinge vertreten. Letztere unterhielten sich und mich mit einer Art Bockspringen, oder in ihrem Fall, Säbelschnäblingspringen. Zierliche Sumpfzaunkönige flatterten und zwitscherten inmitten der Rohrkolben und waren mit Nestbau beschäftigt. Singammern trällerten ihre fröhlichen Lieder. Uhus waren in der Morgen-, und Abenddämmerung zu hören, und eines Abends landete eine Sumpfohreule auf einem Pfosten nahe der Straße, um ihr Gebiet auf ein Mahl hin zu untersuchen.

Sumpfohreule

Sumpfohreule

Kornweihen und Rotschwanzbussarde jagten tagsüber nach Nahrung. Trotz aller Betriebsamkeit und unzähliger Vogelstimmen konnte ich dennoch eine meiner Lieblingsmelodien herausfiltern, und zwar die süßen Töne der Wiesenstärlinge.

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Wiesenstärling

Ich bin nicht länger über die Abwesenheit der Kraniche in Monte Vista enttäuscht. Das Naturschutzgebiet wimmelte nur so von wunderbaren Lebewesen, mit denen ich einige kostbare Tage teilte. Obwohl ich nicht fand, wonach ich ursprünglich suchte, eröffneten sich mir ungeahnte, bereichernde Welten.

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