Weißer Sand

Nach mehreren Besuchen in Colorados Great Sand Dunes National Park, gelang es meinem Mann und mir im Mai 2016 endlich, uns den langgehegten Wunsch zu erfüllen, das White Sands National Monument in unserem Nachbarstaat Neu Mexiko zu erkunden. Die Dünenfelder beider Staaten erheben sich wie eine Fata Morgana aus der umliegenden Wüstenlandschaft und ähneln dem Werk einer Malerin, die ihren Pinsel in wellenförmigen Bewegungen über die Leinwand führte. Von ihrer Farbpalette wählte sie graue und rötliche Töne für Colorado, und schneeweiße für Neu Mexiko, wo der Sand aus Gips besteht. Wasser löst dieses Mineral aus den nahegelegenen San Andres Bergen und deponiert es im Lucero See im Tularosa Becken, wo es nach Verdunstung als transparente Kristalle ausfällt. Sobald diese in feine Sandkörner verwandelt werden, funkeln und glänzen sie im Sonnenschein, und ihr Anblick ist trotz Sonnenbrille fast schmerzhaft.

Im Zentrum des Naturparks in Neu Mexiko wird die Straße beiderseits von Sandbänken gesäumt. Schnee- oder Sandpflüge müssen diese Straße regelmäßig räumen, sonst würde sie schnell verweht. IMG_2009Sandbänke erinnern an Schneebänke, Sandverwehungen an Schneeverwehungen, Sandstürme an Schneestürme. Mein Mann beschrieb das Dünenfeld als Gletscher der Wüste, und rieselnden Sand als Sandlawinen, doch im Gegensatz zu vielen Gletschern ist diese Wüstenwelt von Hitze geprägt. Statt der Sandkörner unter den Schuhen würde er lieber Schnee knirschen hören, was ihn wohl zu diesen winterlichen Neologismen inspiriert hat.

Die Oberfläche der Dünen beträgt fast 300 Quadratmeilen und einzelne Dünen erreichen eine Höhe von etwa 30 Metern. Ohne Wegmarkierungen könnte sich der Spaziergänger leicht verirren. Es ist möglich, mit Rucksack zu einem Campingplatz zu wandern, doch obwohl wir bei diesem Besuch nicht von dieser Möglichkeit Gebrauch machten, hoffen wir, die Abgeschiedenheit der Wüstennacht im Rahmen einer zukünftigen Reise zu erleben.

Die vielfältige Flora und Fauna, die in diesen unwirtlichen Bedingungen überleben, geben Anlaß zur Bewunderung. An die Wüstenverhältnisse perfekt angepaßte Blumen, Büsche, und Gräser gedeihen, unter ihnen die eindrucksvolle Seiten-Palmlilie, deren unterirdischer Stamm eine Länge von 6 Metern erreichen kann. Fährten im Sand lassen Insekten, Reptilien, Vögel, und Säuger erkennen. Manche Tiere, wie zum Beispiel Eidechsen und Füchse, haben zur Tarnung und Hitzeregulation eine helle Farbe entwickelt. IMG_2037Die weitverbreiteten Raben sind aber nach wir vor rabenschwarz. Einige weißliche Eidechsenarten ließen sich von uns sehen, doch hielten außer Menschen zur Mittagszeit die meisten Lebewesen eine Siesta. Bei der hohen Lufttemperatur von fast 30 Grad genossen wir die relativ kühle und kreideartige Oberfläche des Sandes, die uns angenehm überraschte.

Ob rot, oder weiß, ob in Colorado oder Neu Mexiko, die Dünen sind ständig in Bewegung, bilden Wellen und Wirbel, und bedecken alles in ihrem Pfad. Sie transportieren den Beobachter in eine Welt die gleichzeitig weich und hart, anziehend und abschreckend ist. Beide schlagen weiterhin in meiner Erinnerung Wellen, und rufen mir Bilder einer außergewöhnlichen Schönheit in Erinnerung, von denen ich noch immer zehre. IMG_2038

 

Klicken Sie bitte hier für die englische Version/Click here for the English version:

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2016/07/27/white-sands/

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2 Gedanken zu “Weißer Sand

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