Ein Blick auf Rom

Wann immer ich einen neuen Ort besuche, habe ich den Wunsch, ihn von der Vogelperspektive aus zu überblicken, und in Rom dient die Kuppel der Peterskirche als Aussichtsplattform. Dieses alles überragende Wahrzeichen ist von vielen Punkten der Stadt aus sichtbar, und als ich vom Kirchenschiff aus das Innere her Halbkugel in einer Höhe von 150 Meter über mir erspähe, fühle ich mich winzig. Um die Kuppel zu erreichen, muß ich 551 Stufen hinter mich bringen, obwohl es möglich ist, die ersten 231 mit dem Aufzug zurückzulegen. Ich bin allerdings fest entschlossen, alle per Fuß zu erklimmen. In dem Land, das synonym mit Pizza und Pasta ist, nehme ich jede Gelegenheit wahr, einige extra Kalorien zu verbrennen, so daß ich mein nächstes Mahl mit gesundem Appetit und gutem Gewissen genießen kann. Nur wenige Stunden zuvor machte mich eine Werbung an einem Restaurant hungrig, und ließ mich schmunzeln: „Habemus Pizza“, in direkter Anlehnung an die Verkündigung einer erfolgreichen Papstwahl, „Habemus Papam“.

IMG_1699Nach dem ersten Treppenabschnitt betrete ich einen Balkon am Fuße des Gewölbes. Von dem von hier aus sehr fern erscheinenden Boden sah ich nur seine vergoldete Oberfläche, doch nun kann ich die künstlerischen Einzelheiten ausmachen, seine Fresken und Mosaiken, sowie die kreisförmige Inschrift vom Matthäusevangelium, die sich wie eine Erklärung für die Existenz des Petersplatzes und der Peterskirche liest. „Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo Ecclesiam meam et tibi dabo claves regni caelorum“, kann folgendermaßen übersetzt werden: „Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche erbauen, und ich werde dir die Schlüssel zum Himmelsreich geben“.

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Die verbleibenden 320 Stufen ringeln sich in einer engen Wendeltreppe in die Höhe. Im Falle von Klaustrophobie wäre diese nur schwer zu ertragen, aber glücklicherweise leide ich nicht darunter. Als ich kurz danach ins Freie trete, erstreckt sich Rom in allen Richtungen zu meinen Füßen. In der Ferne sind malerische Hügel auszumachen, und alles liegt unter dem mit Wolken gesprenkelten blauen Himmelsgewölbe. In der Nähe fällt mein Blick auf die Statuen von Jesus und seinen 12 Aposteln, die vom Dach aus den Petersplatz überschauen, und die ganze Stadt, sowie den Tiber, die Hauptschlagader der Stadt, zu segnen scheinen. Im Norden und Westen profitieren die gepflegten Vatikangärten von dessen Wasser. Jenseits des Flusses erinnern die Wände des Kolosseums an die Macht und Stärke, aber auch die Grausamkeit des antiken Roms, sowie an seine architektonischen Meisterleistungen, ähnlich wie das Pantheon, ebenfalls in Sichtweite. Beide Gebäude haben fast 2 Jahrtausende überlebt, und die Kuppel des letzteren diente Michelangelo als Model für die Struktur, die mich jetzt trägt. Sein Leben zwischen 1475 und 1564 fiel in jene Periode, in der die heutige Peterskirche am Orte einer früheren Grabeskirche errichtet wurde.

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Ich erinnere mich an die bedauernswert kurzen Stunden in den Vatikanischen Museen am heutigen Morgen. Unter anderem beherbergen diese auch Michelangelos Gemälde in der Sixtinischen Kapelle, seine wohl großartigste Schöpfung. Als ich sie mit offenem Munde bestaunte, war mir nicht bewußt, daß ich schon so bald darauf einen weiteren Höhepunkt erleben würde, obwohl es mich eigentlich nicht überraschen sollte. In dieser Weltstadt, wo sich eine Superlative an die nächste reiht, scheint es unwahrscheinlich, daß noch eine Steigerung möglich ist, aber trotzdem erwarte ich genau das.

Klicken Sie bitte hier für die englische Version/click here for the English version:

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2016/07/12/a-view-of-rome/

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