Wunder der Bergwelt

Barr Trail ist einer der bekanntesten Wanderwege in der Pikes Peak Region. Zwischen Anfang in Manitou Springs und Ende am Gipfel von Pikes Peak überbrückt dieser ikonische Pfad etwa 20 Kilometer, sowie eine Höhendifferenz von 2000 Metern. Die Bergspitze ist mit 4302 Metern eine von Colorados 53 Zinnen, die 4000 überragen. Alljährlich wird der Berg an einem Wochenende im August zum Schauplatz zweier Wettläufe. Der Ascent, oder Aufstieg, an einem Samstag entspricht der Distanz eines halben, das Rennen am Tag darauf, der eines vollen Marathons, und dessen Rekordzeit liegt seit 1993 ungebrochen bei fast unglaublichen 3 Stunden, 16 Minuten und 39 Sekunden. Schon seit der Gründung von Colorado Springs im Jahre 1871 erklimmen Anwohner und Touristen das hiesige Wahrzeichen. Im Jahre 1918 führte Fred Barr Vermessungen durch, und dirigierte daraufhin die Konstruktion des Fußweges, der noch heute in Gebrauch ist, und nach ihm benannt ist. Laut meiner Einschätzung kann er in 4 Segmente unterteilt werden, die jeweils etwa 5 Kilometern entsprechen, und ihren eigenen Charakter haben.

Der Zickzackkurs gleich zu Beginn ist wenig einladend. Zu seiner Steilheit und dem ständigen Hin und Her kommt erschwerend der Gegenverkehr von Sportlern, die die Incline bestiegen haben. Dieser “Trimm-dich-Pfad“, der einem alten Kabelbahnbett folgt, steigt in einem Kilometer über 600 Meter an, und übertrifft sogar Barr Trail in seiner Beliebtheit.

Sobald die diversen Rückwege der Incline hinter einem liegen, verdünnen sich die Massen. Die Aussicht weitet sich, und umfaßt erste Blicke auf den Gipfel. Eine Vielfalt an Blumen und Vögeln erfreut das Herz. Wen läßt das fröhliche Zwitschern von Meisen unberührt? Allmählich erscheint mehr vom Ziel im Blickwinkel, was je nach Tagesform motivierend oder demoralisierend sein kann.

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Auf halber Strecke und auf einer Höhe von 3100 Metern liegt Barr Camp. Auch von Herrn Barr erbaut, diente diese Hütte ursprünglich als Raststätte für die Touristen, die er vom Ende der Incline Bahn hierher führte, um ihnen einige Stunden Schlaf zu gönnen, bevor er sich mit ihnen gegen ein Uhr nachts Richtung Gipfel losmachte, um dort frühmorgens den Sonnenaufgang zu bewundern.

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Heute wie damals kann sich der Wanderer hier vor dem dritten Abschnitt ausruhen. Dieser führt zu dem A-Frame, einem an drei Seiten geschlossenen Unterstand, wo es möglich ist, den Elementen zu entkommen. Auch dieses Segment scheint etwas lang und monoton, doch was mich hier vertröstet, ist die Nähe der Baumgrenze, die die betörende Schönheit des Hochgebirges verheißt.

Oberhalb des Waldes findet man sich auf einer mit Felsen bestreuten steilen Bergwiese mit bunten Blumen, und die zugleich delikate und robuste Flora wird von allerlei Schmetterlingen umtanzt. Photogene Murmeltiere und flinke Pfeifhasen beäugen mich, und erhoffen sich vielleicht einige Futterkrümel.

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Im Osten ergießen sich die samtartigen Gebirgsausläufer in das uferlose Meer der Prärie, und im Westen grüßt das felsige Angesicht von Pikes Peak. Die letzten 5 Kilometer schlängeln sich an der Fassade des steinigen Riesen hoch, und enden mit den sogenannten 16 goldenen Stufen. Meine schwere Atmung und schlottrigen Beine überzeugen mich allerdings, daß es sich dabei um eine Fehlbezeichnung handelt. 1600 kommt der Wahrheit wohl näher!

Da Pikes Peak auch per Autostraße oder Zahnradbahn zu erreichen ist, wimmelt der Gipfel plötzlich vor Menschen. Auch wenn wir Wanderer die Genugtuung haben, diesen erhabenen Ort aus eigener Kraft erklettert zu haben, vereint alle Besucher das Gefühl, auf dem Dach der Rocky Mountains zu stehen, und ich habe noch niemanden getroffen, den das Panorama unter Colorados legendär blauem und endlosem Himmel nicht zutiefst bewegt hätte. Der Besuch, der die wohl bekanntesten Spuren hinterließ, fand im Jahre 1893 statt, und inspirierte Katherine Lee Bates, eine Poetin und Gastprofessorin an Colorado College dazu, das Gedicht America the Beautiful zu verfassen. Es wurde seither vertont und wird nach wie vor zu vielen festlichen Anlässen gesungen. Seine Worte sind auf einer Bronzetafel am Gipfel verewigt.

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Klicken Sie bitte hier für die englische Version/click here for the English version:

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2016/08/17/america-the-beautiful/

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