Ansichten von Manitou

Während einer Wanderung auf dem Paul Intemann Memorial Trail zwischen Crystal Park Road und Ruxton Avenue vor nicht allzu langer Zeit, enthüllt sich das Städtchen Manitou Springs nach und nach, und mit ihm die Symbole seines kommerziellen Erfolges.

Seit George Ruxton, britischer Forscher, Reiseschriftsteller, und Namensvetter einer Straße und eines Flüßchens in Manitou, anno 1847 die Gegend durchreiste und brodelndes Wasser erwähnte, ist viel über die hiesigen Haupt- und Nebenattraktionen gesagt und geschrieben worden. General William Jackson Palmer und Dr. William Abraham Bell, die die sprudelnden Quellen während einer Exkursion im Rahmen von Vermessungsarbeiten für eine Eisenbahnlinie erlebten, verliebten sich in dieses Stück Erde. Der General gründete 1871 Colorado Springs etwa 8 Kilometer östlich, und Dr. Bell, sein Freund und Geschäftspartner, Manitou Springs nur wenige Monate danach. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde der Ort aufgrund Colorados sonnigen Klimas und reiner Luft, sowie der natürlichen Quellen zum Ziel für Reiselustige und Tuberkulosekranke. Obwohl im Strom der Besucher mal Ebbe, mal Flut herrschte, riß er nie ab. Förderer haben fast anderthalb Jahrhunderte lang erfolgreich alle von der Natur oder dem Menschen geschaffenen Werke vermarktet.

Von unserem Aussichtspunkt auf dem Wanderweg, der sich entlang der südlichen Hügel von Manitou Springs schlängelt, sehen wir einige dieser Glanznummern. Selbst diejenigen, die nicht mehr ihren ursprünglichen Zweck erfüllen, wurden oft in einer anderen Funktion wiederbelebt, und ihr Haltbarkeitsdatum dadurch verlängert.

img_7400-19

Incline Narbe an Mount Manitou, und Red Mountain im Vordergrund

Das auffälligste Wahrzeichen ist eine Schneise an der Flanke von Mount Manitou, Standort einer Kabelbahn zwischen 1907 und 1990. Zu Beginn beförderte sie Materialien für Wasserleitungen, wurde aber schnell zum Transportmittel für Personen. Seit ihrem Abbau nach einem Erdrutsch, haben Fitnessfanatiker die übergebliebenen Bahnschwellen, weithin als Incline bekannt, als Tretmühle adoptiert. Alte Photos zeigen deren steiles Gefälle, doch war das im Vergleich mit dem der klapprigen und haarsträubenden Seilbahn auf dem unweiten Red Mountain harmlos, weshalb diese wahrscheinlich nur wenige Jahre nach 1912 in Betrieb war. Dieser moderat steile Berg hat sich in eine Wanderdestination verwandelt, und kann über einen Seitenpfad vom Intemann Trail aus erreicht werden. In der Nähe seines Gipfels lag Emma Crawford, eines der unglücklichen Opfer der Schwindsucht, seit 1891 laut ihrem Wunsch begraben, bis ihr Sarg während eines Wolkenbruchs den Berg heruntergespült wurde. Selbst dieses makabre Ereignis wurde zum Anlaß eines jährlichen Schauspiels, des Emma Crawford Sargrennens.

Neben der Bundesstraße 24, die an Manitous Nordrand verläuft, können wir die kantigen Felswände erspähen, die Williams Canyon säumen. Sie beherbergen mehrere Höhlen, die seit ihrer Entdeckung von zwei Schuljungen im Jahre 1881 als Cave of the Winds angepriesen werden.

img_7400-29

Williams Canyon, mit Besucherzentrum für die Höhlen

Ganz in ihrer Nähe beweisen die Manitou Cliff Dwellings, daß man Touristen auch mit weniger authentischen Zielen befriedigen kann. Obwohl im hiesigen Teil unseres Staates keine Puebloindianer lebten, wurden 1907 einige Ruinen der ehemals als Anasazi bekannten Kultur aus der Nähe von Cortez im Südwesten Colorados unter einem Überhang wiederaufgebaut, und stehen weiterhin Besuchern offen.

img_7400-27

Manitou Cliff Dwellings

Entlang der Hauptstraße, Manitou Avenue, die das Städtchen zweiteilt, reihen sich schon von jeher beliebte kleine Geschäfte und Restaurants. Das zentral gelegene ehemalige Kurhaus, sowie zahlreiche Quellen, erinnern an einen der Hauptgründe für die Existenz dieses Fleckens — die Gesundheit. Nahe des Stadtparks machen wir ein modernes Kurhaus ausfindig, das sehr geschäftig ist. Auch erkennen wir unterschiedliche Brunnen aus denen Mineralwasser quillt, das Gesundheitsbewußte, heute wie damals, zu sich nehmen, und das erstaunlicherweise noch gratis zu haben ist, obwohl es früher mehrere Anläufe gab, es in Flaschen abgefüllt zu verkaufen. Zu guter Letzt sehen wir vom Ende des Pfades noch ein weiteres, blühendes Unternehmen, die Cog Railway, eine 1891 gegründete Zahnradbahn, die Gäste zum und vom Gipfel von Pikes Peak transportiert.

img_7400-28

Sicht von Garden of the Gods und der Prärie von dem Intemann Wanderweg

Auch wenn man den Geschäftssinn der Stadtväter und –mütter bewundern mag, war und bleibt Manitous wertvollstes Gut seine natürliche Schönheit: die atemberaubende Lage am Fuße von Pikes Peak und Ute Pass, mit schweifenden Blicken auf den Garden of the Gods und die weite Prärie. Glücklicherweise steht all dies uns allen noch immer umsonst zur Verfügung.

Klicken Sie bitte hier für die englische Version/click here for the English version:

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2016/09/22/a-view-of-manitou/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.