Thanksgiving

Während meiner Kindheit in Deutschland wurde Erntedank hauptsächlich im Rahmen eines Gottesdienstes an einem Sonntag Anfang Oktober gefeiert, als Gelegenheit, Mutter Natur für ihre reichen Gaben zu danken. Typischerweise waren die herbstlichen Ernteerträge dekorativ in der Kirche angerichtet, ähnlich wie ich das bei meinem Besuch vor kurzem erlebte.

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Ich war dankbar, daß meine Reise genau in die Zeit fiel, in der eine ganze Reihe von Früchten heranreiften, die mich zur Nutznießerin vieler köstlicher Bissen machten. Die letzten himmlischen Himbeeren, fetten Feigen und tollen Tomaten hingen noch in meines Vaters Garten, pausbäckige Trauben lächelten mich an und brachten mich in Versuchung, Pflaumen- und Apfelbäume schwenkten ihre schweren Äste vor meiner Nase hin und her, Walnüsse und Esskastanien lagen unter ihrer Wiege und warteten nur darauf, aufgelesen zu werden.

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Wie so oft der Fall ist, weiß man gewisse Dinge erst zu schätzen, wenn sie einem nicht mehr zur Verfügung stehen. Als ich noch in Rheinland-Pfalz entlang des Oberrheins mit seinem milden Klima lebte, machte ich mir nie über die jährliche Ernte Gedanken, die selbstverständlich schien. Jetzt, da ich in Colorados Halbwüstenklima residiere, ist mir bewußt, wie viel Aufwand nötig ist, um nur einen Bruchteil ähnlichen Obstes und Gemüses anzubauen, und daß vieles überhaupt keine Chance hat, in unserer Gegend zu gedeihen.

Das Erntedankfest in den USA, das erst einige Tage zurückliegt, spielt eine viel größere Rolle als in Deutschland und hat andere Schwerpunkte. Es ist einer der beliebtesten historischen und kulturellen Nationalfeiertage, und Familien überbrücken oft hunderte oder tausende Kilometer, um es im Kreise ihrer Lieben zu verbringen. Es findet immer am letzten Donnerstag im November statt und erinnert an ein sagenumwobenes Ereignis im Jahre 1621, bei dem die ersten überlebenden Siedler aus England, die im Vorjahr mit der Mayflower auf Plymouth Rock gelandet waren, mit Indianern des Wimpanoag Stammes zusammen friedlich die Geschenke der Erde feierten. Ohne die Hilfe der Ureinwohner hätte es höchstwahrscheinlich unter den Pilgrims gar keine Überlebenden gegeben. In einer Wiederbelebung der idealisierten Vergangenheit versammeln sich Menschen noch heute überall in Dankbarkeit für gute Nahrung, Bekannte, Verwandte, und weitere Gaben.

Auch dieses Jahr haben Hilda, Mike und ich den Tag wieder mit unseren Freunden Esther, ihren Söhnen George und Don, Hazel und ihrer Tochter Valerie verbracht, so daß wir uns zu acht um unseren gedeckten Tisch versammelten. Obwohl jede Familie ihre eigenen Bräuche hat, zählen Truthahn, Brotfüllung, Kartoffelbrei, Süßkartoffeln, grüne Bohnen und Preiselbeeren zur Tradition.

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Was dieses Festmahl anbelangt, sind mein Mann und meine Schwiegermutter Traditionalisten, und Mikes Vorfreude auf den Truthahn und das Resteessen lassen mich immer wieder staunen.

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Er nimmt seine Rolle als Koch sehr ernst und plant, kauft ein und bereitet alles sorgsam vor. Dieses Standardmenu wurde von einem schmackhaften Seelachsfilet für die Fischliebhaber (sprich für mich) ergänzt, das Valerie besorgte und auf einem Tischgrill backte. Mike probierte außerdem ein neues Rezept aus, und die resultierende, in einem Apfelsud gebackene Gemüsemischung aus Zwiebeln, Karotten, Stangensellerie, Kürbis und Äpfeln schmeckte, wie alles andere, ausgezeichnet.

Als ob diese Speisen noch nicht üppig genug gewesen wären, gab es nach einer zu kurzen kulinarischen Pause noch Nachtisch: einen von Hilda gebackenen leckeren Schokoladenkuchen mit Kürbisglasur, meinen bescheidenen Beitrag, Pumpkin Pie (Kürbistorte), und ein Geschenk von Hazel und Valerie, Pumpkin Pie Supreme, sprich Pumpkin Pie mit noch mehr Kalorien. Kürbis ist an diesem Tag unentbehrlich.

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Ob am amerikanischen Nationalfeiertag, oder während meines Deutschlandbesuches, reichliches und gutes Essen mundet noch besser, wenn es von guter Gesellschaft und von guten Gesprächen begleitet ist. Ich habe so viele Gründe, dankbar zu sein. Happy Thanksgiving uns allen.

Klicken Sie bitte hier für die englische Version/click here for the English version:

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2016/11/26/thanksgiving/

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