Das Jahr in Photos

In den schwindenden Tagen des Jahres teile ich noch einige weitere Bilder, die entweder meine Lieblingsorte oder -aktivitäten zeigen, und die es bisher in keinen Blog geschafft haben. Mir gefällt das Motto auf einer historischen Uhr im Zentrum von Colorado Springs: Dum Vivimus Vivamus. Während wir leben, laßt uns leben.

Ich hoffe 2016 war ein gutes Jahr, und ich wünsche Dir Glück, gute Gesundheit und Frieden für die kommenden 12 Monate.

JANUAR

Snow Mountain Ranch in der Nähe von Granby, Colorado, wo wir gerne Skilanglauf machen.

Snow Mountain Ranch in der Nähe von Granby, Colorado, wo wir gerne Skilanglauf machen.

Meine Lieblingsaussicht im Garden of the Gods, Colorado Springs, Colorado.

Meine Lieblingsaussicht im Garden of the Gods, Colorado Springs, Colorado. Oft bleibt der Schnee im Januar aus, oder er schmilzt schnell.

FEBRUAR

Mit Schneeschuhen unterwegs im Mueller State Park, mit Aussicht auf die westlichen Rocky Mountains.

Mit Schneeschuhen unterwegs im Mueller State Park, Colorado, mit Aussicht auf die westlichen Rocky Mountains.

Colorado Springs Pioneers Museum. Ich bin dort als Freiwillige tätig.

Colorado Springs Pioneers Museum.

MÄRZ

Küchenschellen, die früh in Colorado blühen.

Küchenschellen, die früh in Colorados Vorgebirge blühen.

Voluminöser Schneefall in Colorado Springs. Ich frage mich, wie es den Blumen und Vögeln ergeht.

Voluminöser Frühlingsschneefall in Colorado Springs. Ich frage mich, wie es den Blumen und Vögeln ergeht.

APRIL

Blühender weißer Holzapfelbaum mit Barker Haus, Manitou Springs, Colorado.

Blühender weißer Holzapfelbaum mit Barker Haus, Manitou Springs, Colorado.

Blühender pinkfarbener Holzapfelbaum auf dem Evergreen Friedhof, Colorado Springs, Colorado.

Blühender rosafarbener Holzapfelbaum auf dem Evergreen Friedhof, Colorado Springs, Colorado.

MAI

Goldwaldsänger. Wo die Prärie und die Rocky Mountains zusammentreffen, gibt es im Frühling sehr viele Zugvögel.

Goldwaldsänger. Wo die Prärie und die Rocky Mountains zusammentreffen, gibt es im Frühling sehr viele Zugvögel.

Der Frühling bringt auch unzählige Generationen an Kaninchen in unsere Nachbarschaft.

Der Frühling bringt auch mehrere Generationen an Kaninchen in unsere Nachbarschaft.

JUNI

Manitou Lake mit Blick auf die Nordwand von Pikes Peak, Teller County, Colorado. Auf dieser Höhe (ca. 4800 M) ist der Schnee noch nicht lange geschmolzen.

Manitou Lake mit Blick auf die Nordwand von Pikes Peak, Teller County, Colorado. Auf dieser Höhe (ca. 4800 M) ist der Schnee noch nicht lange geschmolzen.

Kanadareiher in einer Brutkolonie in der Nähe von Manitou Lake.

Kanadareiher in einer Brutkolonie in der Nähe von Manitou Lake.

JULI

Rocky Mountain Akelei, Staatsblume Colorados. Juni bis August sind die besten Monate für Wildblumen in den Bergen.

Rocky Mountain Akelei, Staatsblume Colorados. Juni bis August sind die besten Monate für Wildblumen in den Bergen.

Mormonentulpe.

Mormonentulpe.

AUGUST

Blick auf die Berge von der Prärie östlich von Colorado Springs während eines typischen Sommergewitters.

Blick auf die Berge von der Prärie östlich von Colorado Springs während eines typischen Sommergewitters.

Kiefernhäher in einer Espe in Colorados Bergen.

Kiefernhäher in einer Espe in Colorados Bergen.

SEPTEMBER

Glücklicher Sonnen- und Vogelaufgang.

Glücklicher Sonnen- und Vogelaufgang.

Schwarzschwanz-Präriehund. Dieses ikonische Tier der Prärie ist oft Opfer der Landentwicklung.

Schwarzschwanz-Präriehund. Dieses ikonische Tier der Prärie ist oft Opfer der Landbebauung.

OKTOBER

Rathaus von Auxerre. Während meiner Europareise besuchte ich meine beste Freundin und ihre Familie in Frankreich.

Rathaus von Auxerre. Während meiner Europareise besuchte ich meine beste Freundin und ihre Familie in Frankreich.

Auxerre liegt an der malerischen Yonne.

Auxerre liegt an der malerischen Yonne.

NOVEMBER

Landschaft meiner Kindheit. Rhein mit Herbstfarben.

Landschaft meiner Kindheit. Rhein mit Herbstfarben.

Weitere Herbsteindrücke im Heimatsort meines Vaters in Deutschland.

Weitere Herbsteindrücke im Heimatsort meines Vaters in Deutschland.

DEZEMBER

Frostiger Blick auf Pikes Peak vom Fountain Creek Naturzentrum südlich von Colorado Springs.

Frostiger Blick auf Pikes Peak vom Fountain Creek Naturzentrum südlich von Colorado Springs.

Virginia-Ralle vom Fountain Creek Regionalpark.

Virginia-Ralle im Fountain Creek Regionalpark.

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Frohe Feiertage

Im Monat Dezember scheint die Entfernung zwischen meinem momentanen Heim in den USA und meinem ehemaligen in Deutschland größer als sonst. Wann immer mich Wehmut überkommt, ist es mir ein Trost, Bräuche meiner Kindheit fortzuführen, und eine Bereicherung, die Traditionen meiner zwei Welten zu verflechten.

Unsere festliche Saison in Colorado beginnt normalerweise mit dem Flackern der ersten Adventskerze. In Deutschland hatten wir Adventskränze mit großen Wachssäulen, aber seit mir meine beste Freundin aus Frankreich eine aus Messing gefertigte Version geschenkt hat, verbrennen wir Weihkerzen oder Teelichter, was meinem Mann die Gelegenheit gibt, endlich wieder seine Fähigkeiten als Kerzenmacher ans Licht zu bringen. Die sternartige Form ruht auf einem Zierdeckchen, das meine Mutter einst schuf, und ich tröste mich mit dem Gedanken, daß es ihr gefallen würde zu wissen, wie sehr wir es schätzen, und wie sehr wir sie vermissen.

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Die tägliche Überraschung, die sich hinter den Türchen des Adventskalenders verbirgt, habe ich schon von jeher heiß geliebt, hauptsächlich, weil Schokoladengenuß damit verbunden war. In letzter Zeit bevorzuge ich die schokoladenlose Variante, und freue mich darauf, von einem süßen Geschöpf hinter jeder Klappe begrüßt zu werden, anstatt von einem abgelaufenen Stück Osterhase, der geschmolzen und in eine neue Form gepreßt wurde.

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Den 6. Dezember erwartete ich immer mit etwas Beklommenheit, weil an dem Tag Nikolaus und Knecht Ruprecht durch das Land zogen, mit einem Sack voller Süßigkeiten für die guten Kinder, und einer Rute für die schlechten. Obwohl ich eher zu den letzteren gehörte, legten meine Eltern immer ein gutes Wort für mich ein, und so wurde mir eine Tracht Prügel erspart. Heutzutage komme ich bei dieser Gelegenheit in den Genuß des köstlichen Gebäcks meiner Schwiegermutter, nebst Obst und Nüssen.

Ich muß nicht länger bis zum 24. Dezember auf den Weihnachtsbaum warten, wie das in Deutschland Usus war. Viele amerikanische Familien dekorieren ihren bereits am oder kurz nach dem Erntedankfest Ende November, doch wir erwerben unseren einige Wochen vor Weihnachten, und genießen ihn bis zum Dreikönigstag, obwohl hier keine als Drei Weisen verkleideten Kinder durch die Straßen ziehen, Geld zu guten Zwecken einsammeln, oder das Haus und seine Bewohner mit Gebet und Inschrift über dem Eingang segnen.

Seit einigen Jahren beginnt unser Baumerwerb mit einem Abstecher zum hiesigen Forstamt, wo wir für 10 Dollar eine Erlaubnis zum Fällen erstehen. Wir fahren dann eine knappe Stunde auf der Landesstraße 24 gen Westen, zum Pike Nationalwald außerhalb von Woodland Park, der atemberaubende Aussichten von Pikes Peaks Nordseite bietet.

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In dem vorgesehenen Gebiet suchen wir uns einen Zirkel aus, in dem wir Ausschau nach Kiefer, Tanne, oder Fichte halten. Diese jährliche Aktion ist für beide Seiten ein Gewinn: wir können uns unseren eigenen günstigen Baum aussuchen, und helfen gleichzeitig dem Forstamt, das Risiko von Waldbränden in dem von Trockenheit bedrohten Westen zu verringern. Es ist erlaubt, Stämme bis zu etwa 14 Zentimeter Durchmesser zu schlagen und einem ist angeraten, keinen symmetrischen Wuchs zu erwarten.

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Obwohl wir um die theoretischen Vorteile wissen, fällt es uns immer etwas schwer, einen gesunden Baum von seinen Wurzeln zu trennen. Wir beruhigen unser schlechtes Gewissen mit vielen Danksagungen für sein unfreiwilliges Opfer, bevor wir ihn zurück zum Auto tragen, einladen und nach Hause chauffieren, während festliche Musik aus den Lautsprechern strömt. Mein Repertoire an Weihnachtsliedern ist seit meiner Jugend anspruchsvoller geworden. Wie ich je ohne die Jingle Bells Version von den Chipmunks auskam, ist mir ein Rätsel.

Schon vor langem gab ich die Hoffnung auf einen farblich abgestimmten Nadelbaum auf. Die Kiste aus dem Keller offenbart urzeitliche Kugeln von der Oma meines Mannes, vorsintflutliche Ornamente, die seine Eltern über Jahrzehnte hinweg sammelten sowie handgemachte Verzierungen aus seinen Grundschultagen, und alle werden nach wie vor gewürdigt. Wenigstens durfte ich Lametta mit Strohsternen und bemalten Holzfiguren ersetzen. Feuergefahr überzeugte meinen Mann endlich, die uralte Lichterkette zu ersetzen, doch noch immer krönt ein leicht ramponierter Stern aus einer anderen Epoche den Wipfel. Die Angst vor Bränden schließt offene Flammen aus, die ich früher immer besonders feierlich fand. Stattdessen verteilen wir im Haus Paraffin in allen Farben, Formen, und Formaten und erhellen so diesen dunkelsten Monat des Jahres, dank dem Kerzenmeister.

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Wie jedes Kind in Deutschland weiß, bringt das Christkind am Heilig Abend die Geschenke. Hier muß ich mich bis zum ersten Weihnachtsfeiertag gedulden, weil der Nikolaus mit Hilfe eines von Rentieren gezogenen Schlittens diese Arbeit nachts übernimmt.  Weil von ihm erwartet wird, daß er sich neben jedem Kamin mit Plätzchen und einem Glas Milch stärkt, verzögert sich der Prozeß etwas. Fairerweise muß ich gestehen, daß er mich noch nie ausgelassen hat, und daß der Belohnungsaufschub wahrscheinlich pädagogisch hilfreich für mich ist.

Meine Liebe zu den alten Ritualen dauert fort, unabhängig von meinem Glauben oder Unglauben. Ob wir Wintersonnenwende, Weihnachten, Chanukka oder Kwanza feiern, mögen unsere Traditionen und Bräuche uns mit Freude erfüllen, und uns allen Frieden auf Erden bescheren.

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Rock Ledge Ranch

Heute teile ich ein weiteres Kapitel über General William Jackson Palmer, den Gründer von Colorado Springs. Bezeugungen seiner Großherzigkeit gibt es reichlich. Nur wenige Jahre nach seiner Heirat mit Mary Lincoln Mellen, auch Queen genannt, verstarb sein Schwiegervater. Herr Mellen hatte Queens Tante geheiratet, nachdem Queens Mutter starb, als das Mädchen nur vier Jahre alt war, was Queen sieben Halbgeschwister bescherte. Nach dem Tode des Patriarchen adoptierte der General quasi den ganzen Mellen Klan, der eine Zeit lang in das Haus der Palmers, Glen Eyrie, einzog. William Palmer unterstützte seine Verwandten sogar als die meisten nach England zogen, selbst nachdem Queen als nur 44-Jährige verstarb.

Orchard House, Vorderseite

Orchard House, Vorderseite

Während eines Spazierganges auf der Rock Ledge Ranch, in der Nähe des großartigen Garden of the Gods, erinnerte mich die Villa namens Orchard House an die komplizierte Palmer-Mellen Familiensaga sowie an die Freigiebigkeit von Herrn Palmer. Er hatte das Land circa 1900 von der Chambers Familie erworben. Nachdem eine von Queens Halbschwestern, Charlotte (Lottie), von ihrem ersten Mann geschieden wurde, und den britischen Biologen William Sclater heiratete, zogen die zwei nach Kapstadt, wo Herr Sclater das südafrikanische Museum leitete. Als er im Jahre 1906 kündigte, folgte das Paar der Einladung General Palmers, nach Colorado Springs zu ziehen. Nicht zufrieden damit, seinem Verwandten ein Lehramt an Colorado College gesichert zu haben, beauftragte Herr Palmer außerdem einen angesehenen einheimischen Architekten, Thomas McLaren, mit dem Bau des Orchard House, und zwar im südafrikanischen Stil, an den die Sclaters gewohnt waren — eine großmütige und fürsorgliche Geste.

Orchard House, Hinterseite

Orchard House, Hinterseite

Der Aufenthalt der Sclaters im Schatten von Pikes Peak fiel mit den letzten Lebensjahren General Palmers zusammen. Dieser zog sich durch einen Sturz vom Pferd einen Halswirbelsäulenbruch zu, der ihn fast völlig lähmte, ihn aber trotzdem nicht daran hinderte, weiterhin ein engagiertes Leben zu führen. Besonders Lottie stand ihm über zweieinhalb Jahre lang eng zur Seite, doch nach seinem Tod im Jahre 1909 kehrten die Sclaters nach England zurück.

Chambers House

Chambers House

Es gibt viele Gelegenheiten, die Rock Ledge Ranch mit ihrer bewirtschafteten Farm und ihren verschiedenen Gebäuden zu erforschen. Das ganze Jahr hindurch wird man auf Festen über den Alltag der ehemaligen Bewohner informiert, und kann deren Domizile erkunden. Herr Sclater war begeisterter Ornithologe. Da ich seine Liebe zu gefiederten Geschöpfen teile, erinnere ich mich an eine frühere Besichtigung seines Büros sowie an seine Sammlung ausgestopfter Vögel. Zu dem Zeitpunkt war mir nicht bewußt, daß er ein renommiertes zweibändiges Werk über Colorados Vogelwelt mit dem Titel, A History of the Birds of Colorado, verfaßte, nachdem er den Staat verließ. Ich würde es mir gerne anschauen, und werde bald dazu Gelegenheit haben. Was ich nicht vergessen habe, sind das köstliche Aroma und der Geschmack von leckeren Weihnachtsplätzchen, die während meines letzten Besuches in der Küche des Orchard House gebacken wurden. Wie es sich trifft, wird das jährliche Weihnachtsfest der Rock Ledge Ranch am kommenden Samstag, dem 17. Dezember 2016, von 16 bis 20 Uhr stattfinden. Weitere Information dazu finden Sie hier unter dem Link der Webseite.

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Ein Tag in Speyer

Das erste Mal seit Jahrzehnten verbringe ich während meines Deutschlandaufenthaltes vor etwa einem Monat einen Tag in Speyer, eine bloße Zugstunde vom Haus meines Vaters entfernt. Nur nebelhafte Eindrücke eines vorherigen Besuches durchziehen mein Gedächtnis, doch sobald ich das Stadttor erreiche, als Altpörtel bekannt, und ich der Szene vor mir ansichtig werde, lüften sich die Schwaden.

Altpörtel

Altpörtel

Sie dürfte eine der bekanntesten in Rheinland-Pfalz, wenn nicht sogar in ganz Deutschland sein. Das mittelalterliche Tor, dessen Fundamente im 13. Jahrhundert verwurzelt sind, stellt den Beginn der von West nach Ost verlaufenden Hauptschlagader dar, einer weitläufigen Esplanade, genannt Maximilianstraße.

Maximilianstraße

Maximilianstraße mit Dom

Sie wird von betagten und jüngeren Gebäuden eingefaßt, und kulminiert im Herzen der Stadt, das gleichzeitig eines der ehrwürdigsten Bauwerke Mitteleuropas ist: dem Kaiserdom zu Speyer. Neben denen in Worms und Mainz ist er einer von drei romanischen Sakralbauten des Landes. Unter ihnen ist er der größte, geräumigste und, wie ich finde, auch der farbenprächtigste. Die polychromen Sandsteintöne begrüßen mich wärmstens, auch wenn es am Tag meiner Erkundung in Strömen regnet.

Dom zu Speyer

Dom zu Speyer

Die romanische Architektur erreichte ihren Höhepunkt im 11. Jahrhundert und ist von halbkreisförmigen Bögen geprägt, verglichen mit den Spitzbögen der ihr folgenden Gotik. Auf mich wirkt der erstere Stil wuchtiger und bodenständiger, wohingegen der letztere in den Himmel zu streben scheint. Tatsächlich fühle ich mich etwas erdrückt und überwältigt, als ich die schwere Bronzetür aufdrücke, und diesen fast eintausend Jahre alten Koloss betrete, was sicherlich von den Erbauern erwünscht war.

Altarraum

Altarraum

Nach Hauptschiff, Chor und Apsis steige ich die steinernen Stufen zur Krypta hinab, deren Geometrie und Dimensionen mich weiter staunen lassen, und deren schiere Größe die unterirdischen Räume der Wormser und Mainzer Kathedralen übertrifft.

Krypta

Krypta

Allen dreien sind schwere Steinsärge gemein, in denen die Gebeine ehemaliger weltlicher und geistlicher Herrscher bis in alle Ewigkeit ruhen. Eine der Kapellen beherbergt Reliquien, sprich Körperteile von Heiligen, ein Brauch, der fremd anmutet, mich aber trotzdem fasziniert.

Reliquie des Heiligen Nardini (1821-1862)

Reliquie des Heiligen Nardini (1821-1862)

Ich würde noch länger verweilen, hätten der Kaisersaal mit seinen bekannten Fresken, und der Turm mit der Aussichtsplattform nicht bereits für die Wintermonate geschlossen. In meiner Bewunderung stehe ich nicht alleine da: Im Jahre 1981 wurde der Dom von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

In unmittelbarer Nähe der Hauptstraße laden weitere Orte zur Besichtigung ein. Ich entdecke Kirchen neueren Datums und Gedenkstätten bekannter Bürger(-innen). Zu ihnen zählt Sophie von La Roche (1730-1807), eine der wenigen berühmten Schriftstellerinnen des 17. Jahrhunderts. Ihr Roman, Das Fräulein von Sternheim, erhob sie aus dem Dunkel, und katapultierte sie auf die hellerleuchtete Bühne der deutschen Literatur. Sie veröffentlichte die erste deutsche Frauenzeitschrift, Pomono für Teutschlands Töchter, und hatte sowohl Kontakt mit als auch Einfluß auf solche Persönlichkeiten wie Wieland, Klopstock, Goethe und Schiller. Es ist mir fast unbegreiflich, daß ich nie zuvor von ihr gehört hatte, doch ich schaffe gerade meinem Unwissen Abhilfe, indem ich ihre Biographie lese.

Wohnhaus und Museum von Sophie La Roche

Wohnhaus und Museum von Sophie La Roche

Speyer, Worms und Mainz waren mittelalterliche Zentren jüdischer Kultur und Bildung. Sie wurden als SchUM Städte bekannt, eine Bezeichnung, die sich von den hebräischen Anfangsbuchstaben der drei Städtenamen im Mittelalter ableitet, Schpira, Warmaisa und Magenza. Alle drei litten unter antisemitischen Ausschreitungen, die über Jahrhunderte hinweg mal zu- und mal abnahmen, und die in wiederholten Zerstörungswellen von Privat- und Gotteshäusern resultierten.

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Mosaik des mittelalterlichen Speyer im jüdischen Museum

Der Judenhof mahnt zum Andenken an diese, die jüdische Bevölkerung treffenden, erschütternden Ereignisse, und besteht aus einem Museum, den Ruinen der ehemaligen Synagoge, und dem ältesten Ritualbad nördlich der Alpen. Die Synagoge wurde 1104 eingeweiht und diente der jüdischen Glaubensgemeinschaft etwa 400 Jahre lang, bis sie wieder mal der Stadt verwiesen wurde.

Ruine der mittelalterlichen Synagoge

Ruine der mittelalterlichen Synagoge

Das Gebäude wurde von den Stadtvätern umfunktioniert, bis es 1689 im pfälzischen Erbfolgekrieg, der weite Landesteile verwüstete, zerstört wurde, obwohl einige der Mauern noch bis heute stehen. Das Ritualbad, auch als Mikwe bekannt, wurde 1120 in Gebrauch genommen. Seine Nutzung als Waffenlager für die Stadt nach 1500 garantierte sein Fortbestehen, und seine unterirdische Lage schützte es vor den Bränden des Jahres 1689.

Mikwe

Mikwe

Nachfolgebauten der mittelalterlichen Synagoge wurden 1938 durch die Novemberpogrome zerstört. Seit 2012 hat Speyer wieder ein jüdisches Gebetshaus, ein Symbol der Hoffnung auf Akzeptanz und friedliches Zusammenleben. Aufgrund des Vermächtnisses der drei verschwisterten Städte wird zur Zeit ein Antrag auf Anerkennung als Weltkulturerbe vorbereitet, worüber die UNESCO im Jahre 2021 entscheiden soll.

Neue Synagoge

Neue Synagoge

Ich bedauere, daß der ausklingende Tag weitere Erforschungen beendet. Der zur Rheinallee führende Dompark, das historische Museum der Pfalz und weitere verlockende Angebote müssen eben auf einen zukünftigen Besuch warten.

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Reise in die Vergangenheit

Colorado ist für seine wunderschöne Natur und Tierwelt bekannt aber ist es fast unmöglich, den Staat zu erkunden, ohne auch über historische Relikte zu stolpern. Castlewood Canyon State Park zählt zu den Orten, die Blicke durch das Fenster der Zeit gewähren, und Einsichten in die Leben derer, die ihre Spuren in dieser Landschaft hinterließen. Etwa 65 Meilen nördlich von Colorado Springs gelegen, umfaßt der Park 2300 amerikanische Acker, die von schroffen, felsigen Kluften durchbrochen werden, und dem gewundenen Kurs von Cherry Creek folgen, der in Denver in den South Platte Fluß mündet.

Cherry Creek im Castlewood Canyon State Park

Cherry Creek im Castlewood Canyon State Park

Vor einigen Monaten waren wir auf einem der zahlreichen Wanderwegen unterwegs, der uns zu den Ruinen des ehemaligen Gehöfts der Lucas Familie führt. Wir hatten eine umgestürzte Holzhütte, oder ein altes Fundament erwartet, doch waren erstaunt, von den verbleibenden Mauern einer Betonstruktur begrüßt zu werden, die fast kirchenartig anmutete.

Das ehemalige Heim der Lucas Familie

Das ehemalige Heim der Lucas Familie

Deren Bewohner, Margaret und Patrick Lucas, führten wahrscheinlich den Baustil aus Irland, ihrem Geburtsland, in ihre Wahlheimat ein. Von 1894 bis 1941 besiedelten sie 160 Acker im nördlichen Teil des heutigen Parks, bis Margaret, sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes, nach Denver zog. Ein Pfad verbindet ihre einstige Residenz mit weiteren Gebäuden, die für ihren eigenständigen Lebensstil unerläßlich waren, so zum Beispiel ein Quellhaus, wo sie verderbliche Nahrungsmittel sowie Kuhmilchprodukte lagerten. Was mich am meisten berührte waren Apfelbäume, deren knorrige Äste noch immer Früchte trugen, über ein Jahrhundert, nachdem Margaret und Patrick sie gepflanzt hatten. Vor meinem geistigen Auge sah ich Margaret Äpfel pflücken, waschen, und aufschneiden, ähnlich denen die mich jetzt anlachten, um einen Kuchen für ihren Mann und ihre 10 Kinder zu backen, dessen Aroma durch die offene Tür nach draußen zog, und hungrige Mäuler in die Küche lockte.

Wir waren erleichtert, daß die Familie eine Katastrophe im Jahre 1933 überlebte. 1890 war Cherry Creek eingedämmt worden, um Siedler mit einer zuverlässigen Wasserversorgung für ihre Felder anzulocken. Allen Berichten zufolge leckte die Struktur bereits seit Beginn, und wurde trotz vieler Reparaturen nie wasserdicht. Nach einigen Jahrzehnten großer Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des Dammes, bekamen leider die Schwarzmaler recht. Als es Anfang August drei Tage lang ununterbrochen regnete, gaben die Mauern um 1 Uhr 20 in der Nacht nach, und 1,7 Milliarden Gallonen Wassers und Geröll ergossen sich durch die Bresche. Um 7 Uhr morgens erreichte die Welle Denvers Stadtmitte, fast 50 Kilometer entfernt gelegen, wo sie großen Schaden anrichtete: sie überflutete Gebäude, riß Straßen auf und Brücken mit sich, und begrub den Boden des Bahnhofes Union Station unter zwei Fuß Schlamm.

Historisches Photo der Überflutung Denvers

Historisches Photo der Überflutung Denvers

Dank der schnellen Reaktion des Dammwächters und einer Telefonistin wurden die stromabwärts gelegenen Gemeinden gewarnt, so daß „nur“ zwei Menschenopfer zu beklagen waren. Das Heim der Lucas Familie, ungefähr ein Kilometer hinter dem Damm, war hoch genug situiert, um verschont zu werden, aber es ist wahrscheinlich, daß ihre Felder und ihr Vieh Schaden erlitten, denn viele wilde und domestizierte Tiere verloren in dem Unglück ihr Leben. Bis zum heutigen Tag erinnern die Ruinen des alten Dammes und die blankgescheuerte Böschung des Wasserlaufs an dieses verhängnisvolle Ereignis.

Ruine des ehemaligen Dammes. Das Feld dahinter war dereinst ein Stausee.

Ruine des ehemaligen Dammes. Das Feld dahinter war dereinst ein Stausee.

Wir schätzen uns glücklich, am Fuße der Rocky Mountains Zugang zu vielen Ausflugszielen zu haben, doch Castlewood Canyon nimmt einen besonderen Platz in unseren Herzen ein, und überrascht uns bei jedem Besuch mit faszinierenden Entdeckungen.

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https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2016/12/02/time-travel/