Reise in die Vergangenheit

Colorado ist für seine wunderschöne Natur und Tierwelt bekannt aber ist es fast unmöglich, den Staat zu erkunden, ohne auch über historische Relikte zu stolpern. Castlewood Canyon State Park zählt zu den Orten, die Blicke durch das Fenster der Zeit gewähren, und Einsichten in die Leben derer, die ihre Spuren in dieser Landschaft hinterließen. Etwa 65 Meilen nördlich von Colorado Springs gelegen, umfaßt der Park 2300 amerikanische Acker, die von schroffen, felsigen Kluften durchbrochen werden, und dem gewundenen Kurs von Cherry Creek folgen, der in Denver in den South Platte Fluß mündet.

Cherry Creek im Castlewood Canyon State Park

Cherry Creek im Castlewood Canyon State Park

Vor einigen Monaten waren wir auf einem der zahlreichen Wanderwegen unterwegs, der uns zu den Ruinen des ehemaligen Gehöfts der Lucas Familie führt. Wir hatten eine umgestürzte Holzhütte, oder ein altes Fundament erwartet, doch waren erstaunt, von den verbleibenden Mauern einer Betonstruktur begrüßt zu werden, die fast kirchenartig anmutete.

Das ehemalige Heim der Lucas Familie

Das ehemalige Heim der Lucas Familie

Deren Bewohner, Margaret und Patrick Lucas, führten wahrscheinlich den Baustil aus Irland, ihrem Geburtsland, in ihre Wahlheimat ein. Von 1894 bis 1941 besiedelten sie 160 Acker im nördlichen Teil des heutigen Parks, bis Margaret, sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes, nach Denver zog. Ein Pfad verbindet ihre einstige Residenz mit weiteren Gebäuden, die für ihren eigenständigen Lebensstil unerläßlich waren, so zum Beispiel ein Quellhaus, wo sie verderbliche Nahrungsmittel sowie Kuhmilchprodukte lagerten. Was mich am meisten berührte waren Apfelbäume, deren knorrige Äste noch immer Früchte trugen, über ein Jahrhundert, nachdem Margaret und Patrick sie gepflanzt hatten. Vor meinem geistigen Auge sah ich Margaret Äpfel pflücken, waschen, und aufschneiden, ähnlich denen die mich jetzt anlachten, um einen Kuchen für ihren Mann und ihre 10 Kinder zu backen, dessen Aroma durch die offene Tür nach draußen zog, und hungrige Mäuler in die Küche lockte.

Wir waren erleichtert, daß die Familie eine Katastrophe im Jahre 1933 überlebte. 1890 war Cherry Creek eingedämmt worden, um Siedler mit einer zuverlässigen Wasserversorgung für ihre Felder anzulocken. Allen Berichten zufolge leckte die Struktur bereits seit Beginn, und wurde trotz vieler Reparaturen nie wasserdicht. Nach einigen Jahrzehnten großer Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des Dammes, bekamen leider die Schwarzmaler recht. Als es Anfang August drei Tage lang ununterbrochen regnete, gaben die Mauern um 1 Uhr 20 in der Nacht nach, und 1,7 Milliarden Gallonen Wassers und Geröll ergossen sich durch die Bresche. Um 7 Uhr morgens erreichte die Welle Denvers Stadtmitte, fast 50 Kilometer entfernt gelegen, wo sie großen Schaden anrichtete: sie überflutete Gebäude, riß Straßen auf und Brücken mit sich, und begrub den Boden des Bahnhofes Union Station unter zwei Fuß Schlamm.

Historisches Photo der Überflutung Denvers

Historisches Photo der Überflutung Denvers

Dank der schnellen Reaktion des Dammwächters und einer Telefonistin wurden die stromabwärts gelegenen Gemeinden gewarnt, so daß „nur“ zwei Menschenopfer zu beklagen waren. Das Heim der Lucas Familie, ungefähr ein Kilometer hinter dem Damm, war hoch genug situiert, um verschont zu werden, aber es ist wahrscheinlich, daß ihre Felder und ihr Vieh Schaden erlitten, denn viele wilde und domestizierte Tiere verloren in dem Unglück ihr Leben. Bis zum heutigen Tag erinnern die Ruinen des alten Dammes und die blankgescheuerte Böschung des Wasserlaufs an dieses verhängnisvolle Ereignis.

Ruine des ehemaligen Dammes. Das Feld dahinter war dereinst ein Stausee.

Ruine des ehemaligen Dammes. Das Feld dahinter war dereinst ein Stausee.

Wir schätzen uns glücklich, am Fuße der Rocky Mountains Zugang zu vielen Ausflugszielen zu haben, doch Castlewood Canyon nimmt einen besonderen Platz in unseren Herzen ein, und überrascht uns bei jedem Besuch mit faszinierenden Entdeckungen.

Klicken Sie bitte hier für die englische Übersetzung/click here for the English translation:

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2016/12/02/time-travel/

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