Charmante Landeshauptstadt am Neckar

     Bis vor kurzem war Stuttgart ein fast unbeschriebenes Blatt für mich. Obwohl meine Eltern und ich unsere Verwandten in einem der Stadtteile öfter besuchten, waren unsere Treffen meist mit Geburtstagen, oder Konfirmationen meiner Cousinen, und nicht mit Besichtigungen verbunden. Deshalb sah ich die Landeshauptstadt Baden-Württembergs während einer Reise im vergangenen Herbst mit neuen Augen. Meine Tante und Onkel beherbergten und bewirteten mich fürstlich und meine Tante machte mich mit ihrer Heimat mittels einer Führung vertraut.

     Diese begann in der neuen Zentralbibliothek, die im Jahre 2011 vollendet wurde. Der fantastisch und futuristisch anmutende Würfel bietet Escher-artige Blicke von innen, und Rundblicke auf Stuttgart von der Aussichtsplattform auf dem Dach.

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Die Stadt entwickelte sich im malerischen Neckartal, erstreckt sich aber über mehrere Hügel und Täler. Das Flußklima ist dem Gedeihen von Wäldern und Weinbergen zuträglich, und ich war von so viel Grün positiv überrascht.

     Von der Bibliothek aus bummelten wir zum Hauptbahnhof, der vor einigen Jahren von engagierten Demonstranten im Rahmen von Stuttgart 21 vom völligen Abriß gerettet wurde. Das noch immer umstrittene Modernisierungsprojekt der öffentlichen Verkehrslinien ist an allgegenwärtigen Baustellen zu erkennen. Am Bahnhof beginnt die Königstraße, Fußgängerzone und Einkaufspassage. Parallel zu ihr liegt der Obere Schloßpark mit einer Reihe historischer Strukturen.

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Neben der eleganten Alten Oper bewunderten wir das Neue Schloß mit davorliegender Siegersäule.

img_6584Diese barocke, im 18. Jahrhundert erbaute Residenz der Württemberger Könige, die heutzutage Teile des Landtages beheimatet, ersetzte das ursprünglich im 10. Jahrhundert begonnene Alte Schloß, in dem seit 1969 das Landesmuseum untergebracht ist.

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Wie viele deutsche Zentren im zweiten Weltkrieg lag Stuttgart im Fadenkreuz der alliierten Bomber, und wurde schwer beschädigt. Beide Schlösser wurden wieder restauriert, aber die Stiftskirche, von der hauptsächlich Mauern überlebten, wurde mit großen Modifikationen wiederaufgebaut. Erhaltene Fragmente weisen auf die ursprüngliche Architektur, und Glasplatten an der Decke, im jetzt einschiffigen Gebäude, auf die ursprüngliche Existenz von einem Haupt- und zwei Seitenschiffen hin.

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In der nahegelegenen, im Jugendstil erbauten Markthalle, die 2014 ihr einhundertjähriges Jubiläum feierte, bereiteten die köstlichen Aromen und appetitanregenden Auslagen einheimischer und internationaler Spezialitäten ein Fest für die Sinne.

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     Angelockt von ihrem Ambiente und ihren Angeboten kehrte ich wiederholt in die Innenstadt zurück. Das vierstöckige Buchhaus Wittwer mit seiner schwindelerregenden Auswahl an regionalen, nationalen und internationalen Titeln sowie an bequemen Sesseln war unwiderstehlich. In der Nähe dieses summenden Bücherstocks ließ ich mich, wie viele andere Junge und Junggebliebene, von einem Strang Seifenblasen verzaubern. Die Nachbarschaft von Handel und denkwürdigen Bauwerken schafft in der Stadtmitte eine sehr attraktive Kombination.

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     Es begeisterte mich, daß der Obere Schloßpark nur der erste in einer Folge von grünen Oasen war, die sich wie ein Band durch die Städtelandschaft schlingen. Auf ihn folgen der Mittlere und Untere Schloßpark sowie der Rosenpark. Meilenweite, motorisierten Fahrzeugen vorenthalte Mehrzweckwege winden sich durch Wälder und Alleen, entlang Bächen und kleinen Seen. Verwöhnt von Sonne waren Menschen und Tiere gleichermaßen beflügelt, und die leuchtenden Farben des Laubs erquickten das Herz.

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     Meine Familie brachte mir weitere Sehenswürdigkeiten näher. Zu meinen Lieblingszielen gehörte der Max-Eyth See. Seine Lage zwischen der steilen, mit Weinbergen versehenen Böschung des Neckars einerseits, und der auslaufenden, mit Hochhäusern bebauten andererseits, bot Aussichten, die einen schwarzen Schwan so begeisterten wie mich.

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In Ludwigsburg spazierten meine Cousine und ich über den Markt und warfen einen Blick auf das Barockschloß mit Garten. Mit mehr Zeit zur Verfügung hätten wir gerne die Eintrittsgebühr für die jährlich stattfindende Kürbisausstellung bezahlt.

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An einem wunderschönen Sonntag schlossen wir uns den zum Württemberg pilgernden Menschenmassen an, wo König Wilhelm I seiner Liebe für seine jung verstorbene Frau, die russische Großfürstin Catharina Paulowna, Ausdruck verlieh. Er ließ sie in einer neoklassischen Grabeskapelle verewigen, deren Kuppel dem Pantheon in Rom angelehnt ist.

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Diese Erhebung, ebenso wie der benachbarte Kernenturm inmitten des herrlichen Herbstwaldes, boten atemberaubende Panoramen.

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     Ich wurde von diesen schwäbischen Stätten, von dem milden Wetter und von meinen zuvorkommenden Gastgebern sehr verwöhnt. Stuttgart und Umgebung bleiben weiterhin auf meiner Wunschliste und ich kann einen Besuch wärmstens empfehlen.

Klicken Sie bitte hier für die englische Version/click here for the English Version:

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2017/01/29/a-charming-capital-along-the-neckar-river/

6 Gedanken zu “Charmante Landeshauptstadt am Neckar

  1. Fast fühle ich mich wie zu Besuch in Stuttgart, sehr schön, herzlichen Dank! Das Einzige, was mir – wie in vielen ähnlich in einem Kessel liegenden Städten – an Stuttgart nicht gefällt, ist die Luft bei Inversionslage. Der Verkehr! Na gut, wenn unsere Autobauer demnächst E-Autos bauen oder mindestens mit dem Abgasbetrug aufhören und den Verbrauch verringern, wir Bürger mehr den Öffentlichen Nahverkehr nutzen … 🙂

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    • Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihren Kommentar. Der leidige Dunst ist auf einigen der Bilder zu erkennen. Ich war auf meiner Reise nach und in Stuttgart nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, die sehr gut ausgebaut sind, und nach Vollendung von Stuttgart 21 noch besser sein sollten. Aber Mercedes und Porsche sind ja auch noch in der Stadt…

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  2. Ja, die sogenannte Inversions-Wetterlage macht den Stuttgarter Bürgern, die dort wohnen, wo die Feinstaubbelastung besonders hoch ist, schwer zu schaffen. Man kann die öffentlichen Verkehrsmittel,( im übrigen hat die Stadt Stuttgart eine Infrastruktur wie fast keine andere Stadt in Deutschland)in der Zeit von Feinstaubarlarm zum halben Tiketpreis nutzen.
    Aber das ist nicht genug. Obwohl wir einen **grünen Oberbürgermeister** haben, wissen unsere **Oberen** nicht so genau, wie sie sich verhalten sollen. Ich denke, wenn es in 2017 u.2018 nicht spürbar besser wird, muss wohl notgedrungen ein Fahrverbot her. Allerdings hat Stuttgart ein sehr großes Einzugsgebiet, was die arbeitende Bevölkerung angeht. Da muss man auch den Pendlern entgegenkommen.

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  3. Liebe Tanja, wunderschöne Bilder und Erinnerungen kommen zurück. Ich hoffe doch sehr, dass wir uns nicht das letzte Mal in Stuttgart getroffen haben. Es ist ganz besonders berührend, diese Bilder, die aus der Stadt sind, in der ich lebe, mit den Augen einer anderen Person zu sehen. Man selbst hat nicht immer so die Sinne geschärft, dass man die **Schönheiten**, die man tagtäglich vor Augen hat, selbst so bemerkt. Danke für Deinen Besuch und bis bald einmal.

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