Ein glücklicher Zufall

Sowohl schreibend als auch leibhaftig zieht es mich immer wieder in den Garden of the Gods in Colorado Springs. Über den wunderbaren Namen dieses wunderbaren Ortes gibt es eine amüsante Anekdote. Angeblich sollen zwei der frühen Gründer und Siedler von Old Colorado City, Melancthon S. Beach und Rufus E. Cable, die Gegend in den 1850er Jahren begutachtet haben. Als Herr Beach vorschlug, einen Biergarten in ihr zu öffnen, erwiderte Herr Cable empört:„ Von wegen Biergarten. Dieser Ort ist der Götter würdig.“ Ob Dichtung oder Wahrheit, der Name ist passend. Doch glücklicherweise ist der Park auch Sterblichen zugängig, und ich Sterbliche mache dort jedes Mal aufregende, zeitweise sehr unvorhergesehene Entdeckungen.

Vergangene Woche war der „Garden “ Ziel meines wöchentlichen Vogelclubausflugs, denn er lockt auch gefiederte Wesen an. Wir sahen 20 verschiedene Arten, darunter ein Paar sich begattender Präriefalken. Am darauffolgenden Tag kehrte ich alleine zurück, um nach einem Sägekauz Ausschau zu halten, den jemand erspäht hatte. Nur zwei Tage vorher hatte die Sommerzeit begonnen, und ich kam um 7 Uhr menschlicher Zeit an, das heißt 6 Uhr Eulenzeit. Das erschien mir früh genug, war aber für Eulenverhältnisse wohl etwas zu spät, da ich den Kauz weder sah noch hörte.

Wie so oft der Fall, wenn ein Plan vereitelt wird, ersetzt ihn ein alternativer, der mindestens genauso gut ist, wenn nicht besser. So erlebte ich nicht nur den Monduntergang hinter Pikes Peak, sondern einen fast simultanen Sonnenaufgang, der Berge, Felsen und Vegetation in ein rosa- und orangefarbenes Licht tauchte. Außerdem wurden diese himmlischen Vorgänge von einem irdischen Konzert begleitet. Unter den vielen Musikern spielten Rotkehlchen, Grundammern, Buschhäher und Hausfinken die führenden Rollen.

Amerikanisches Rotkehlchen, das sich an Wacholderbeeren ergötzt

Grundammer in ihrem geliebten Laubstreu

Buschhäher

Ihr Gesang wurde von ihrem Werbeverhalten und Nestbau sowie von den akrobatischen Leistungen einiger Weißbrustsegler ergänzt, die erst eine Woche zuvor wieder aus dem Süden zu ihrem Sommerstandort (bzw. –flugort) zurückgekehrt waren. Die Temperatur war mit 10 Grad Celsius etwa genauso viele Grade wärmer als am Vortag, was nicht nur mich belebte, sondern auch eine Vielzahl von kleineren Vögeln, wie Meisen und Winterammern. Ich fühlte mich bestens unterhalten, und anderthalb Stunden vergingen im Nu. Als ich mich auf den Rückweg zum Auto machte, fiel mein Blick auf zwei weitere Besucher, die mich zweimal hinschauen ließen.

Das Paar erfreute sich offensichtlich eines hyperaktiven Schluchtzaunkönigs, der sie mit seinen Gesang- und Kletterleistungen in Bann hielt.

Schluchtzaunkönig

Ihre um den Hals getragenen Ferngläser und eine Kamera mit superlangem Objektiv (ich war zugegebenerweise etwas neidisch) gab sie als geistesverwandte Vogelliebhaber preis. Ich erkannte die Frau von einem Bild, das ich nur einen Tag zuvor auf ihrem Blog gesehen hatte. Es war erst mein zweiter oder dritter Besuch ihrer Webseite, in Folge eines Kommentars, den sie auf meiner hinterlassen hatte. Mein Post „Ausgeamselt“ sprach sie an, da auch sie und ihr Mann im Elevenmile Canyon auf der Suche nach selbigen Wasseramseln gewesen waren. Von ihrem Blog wußte ich auch, daß sie, von Texas aus, eine Woche lang Colorado erforschten. Wir hatten uns nie getroffen, aber als ich mich ihr näherte und sie mit den Worten: „Bist Du Shannon?“ ansprach, erwiderte sie: „Du mußt Tanja sein“. Obwohl ihre Reiseroute ganz unterschiedliche Ziele in Colorado beinhaltete, begegneten wir uns an genau dieser Stelle. Wie hoch (bzw. niedrig) ist die Wahrscheinlichkeit eines solchen Treffens?

Central Garden

Nachdem wir ungläubig unsere Köpfe schüttelten, plauderten wir, und bewunderten gemeinsam Vögel und Landschaft. Leider klappte es während dieser Reise nicht mit einer weiteren Zusammenkunft. Shannon und Scott, es war mir ein Riesenvergnügen, Euch kennenzulernen. Ich wünsche Euch weiterhin viel Spaß mit der Vogelsuche und hoffe, daß sich unsere Flugrouten mal wieder überschneiden.

Klicken Sie bitte hier für die englische Version/click here for the English version:

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2017/03/22/serendipity/

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