Eine Ode an Fountain Creek Regional Park

Das Bedürfnis, Zeit in der Natur zu verbringen, wird für mich in den letzten Jahren immer zwingender. Ich bin erleichtert, daß ich trotz Colorados Bevölkerungswachstums und dessen Folgen noch immer Zugang zu Orten habe, wo ich Abgeschiedenheit finden, und den konstanten und katastrophalen Hiobsbotschaften entkommen kann. Eines dieser Refugien ist Fountain Creek Regional Park, der etwa 13 Kilometer südlich unseres Heims in Colorado Springs liegt. Er nimmt eine zentrale Stelle in meinem Leben ein, und es vergeht fast keine Woche ohne einen Besuch.

Der 1985 vom Landkreis gegründete Park wuchs in den folgenden Jahren zu seiner heutigen Größe. Das Fountain Creek Nature Center wurde 1992 fertiggestellt, und 2014 vergrößert. Es wird von der engagierten Nancy Bernard, einer kleinen Schar Bediensteter sowie von einem Schwarm Ehrenamtlicher geleitet und fördert Interesse an der Umwelt — durch informative Ausstellungen, ganzjährige Kinder- und Jugendprogramme und einladende Wanderwege. Ein riesiges Fenster und eine Veranda bieten Blicke auf Pikes Peak, den hiesigen, 4000 Meter hohen Berg sowie auf seine niedrigeren Nachbarn. Die am Übergang der Great Plains und der Rocky Mountains gelegene Gegend profitiert vom Vorhandensein von Wasser. Das Parkgelände umgibt unseren größten Strom, Fountain Creek. Er versorgt eine Reihe von Tümpeln samt umliegenden Feuchtgebieten sowie Pappeln und deren Unterschichten mit lebensspendender Flüssigkeit, und schafft dadurch eine Vielzahl von Lebensräumen. Mit seinen längeren Tagen und wärmeren Temperaturen erzeugt der Frühling eine Eruption grüner Blätter, duftender Büsche und tierischer Tätigkeit.

Pikes Peak von einem der Seen des Marschgebietes aus

In El Paso County zählt der Park zu den erstklassigen Vogeloasen, und die Anzahl der dokumentierten Arten beziffert sich auf 266, laut ebird. Leider habe ich noch nicht mal die Hälfte davon gesehen, und einige wurden seit Jahrzehnten nicht mehr gesichtet, und werden wohl auch zu meinen Lebzeiten nicht mehr auftauchen. Ich habe die Angewohnheit, jedem meiner Lieblingsziele einen typischen Vogel zuzuordnen, und hier sind es Rotschulterstärlinge. Wegen der Nähe ihres mit Schilfrohr bewachsenen Reiches sind ihre lauten Stimmen oft hörbar, sobald man die Autotür auf dem Parkplatz des Naturzentrums öffnet. Neben seinem Gequietsche und Gekreische lenkt das auffällige Verhalten des Männchens noch mehr Aufmerksamkeit auf sich. Während der Herr auf der Spitze eines Rohrkolbens balanciert und nach seiner Begleiterin schreit, schiebt er seinen Kopf nach vorn, pumpt seine Arme auf und fächert seinen Schwanz auf.

Rotschulterstärling, auch bekannt als Superman mit Umhang

Doch diese Stärlinge sind nicht die einzigen überschwänglichen und exaltierten Vögel, die zur Zeit singen, futtern, sich paaren, Nester bauen oder Junge großziehen, und da der Frühlingszug noch nicht in vollem Fluge ist, werden bald weitere dazustoßen. Anstatt zu versuchen, die überaus attraktiven Schauspieler aufzuzählen, lasse ich einige Bilder für sich selbst sprechen.

Rundschwanzsperber

Gürtelfischer

Virginia-Uhu

Brillenibis

Amerikanischer Graureiher

Gefiederte Kreaturen sind nicht die alleinigen Anwohner. Obwohl Bisamratten theoretisch ebenso wie die ihnen verwandten Biber nachtaktiv sein sollen, sind sie auch tagsüber aktiv genug, daß ich sie öfter zu Gesicht bekomme. An warmen Tagen klettern Schildkröten aus dem Wasser auf Felsen und da diese Plätzchen sehr gefragt sind, müssen Spätankömmlinge zurück ins Wasser gleiten, und sich halt woanders sonnen. Weißwedelhirsche grasen oft auf benachbarten Wiesen, doch ich habe mit Erstaunen beobachtet, daß sie manchmal auch Algen aus flachen Gewässern fressen. Eichhörnchen bieten weitere photogene Gelegenheiten, und Kaninchen durchstöbern das Unterholz, versorgen aber sicherlich auch Raubvögel mit Nahrung. Monarchen sowie die inspirierende Funktion des Parks in ihrer Erhaltung und Vermehrung besprach ich bereits in einem früheren Post. Eine Vielzahl von Schmetterlingen und Bienen flattern und fliegen von einer bunten Blüte zur anderen, erfüllen die Luft mit dem sachten Säuseln ihrer stupenden Schwingen, und dabei gleichzeitig ihre Funktion als Bestäuber.

Bisamratte

Sonnende Schildkröten

Hirsch nach Algenspeise

Ein Eichhörnchen läßt es sich auch gut gehen

Zweifelsohne ist diese Vitalität einer der Gründe, warum ich mich immer wieder nach diesem geschätzten Zufluchtsort sehne, wo ich täglich die lebensbejahende Kraft der Natur spüren kann, die auch mich lebendiger und hoffnungsvoller stimmt.

Dies ist meiner Schwiegermutter Hilda J. Britton (1928-2017) gewidmet, die Fountain Creek und Bear Creek Regional Parks so liebte, daß sie dort einige Jahre lang im Schwarm der Ehrenamtlichen diente.

Klicken Sie bitte hier für die englische Version/click here for the English Version:

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2017/05/11/an-ode-to-fountain-creek-regional-park

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2 Gedanken zu “Eine Ode an Fountain Creek Regional Park

  1. Liebe Tanja. „Die lebensbejahende Kraft der Natur spüren, die lebendiger und hoffnungsvoller stimmt“ ist ein wundervoller Gedanke, den man aus allen Deinen Beiträgen herausliesst. Und es ist sehr tröstlich zu sehen, dass es doch noch so viele Orte gibt, an denen man das kann. Danke für den bezaubernden Ausflug in die Vielfalt der Natur. LG Ulrike

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    • Ich danke Dir für Deinen lieben Kommentar, Ulrike. Ich bin fest davon überzeugt, daß wir alle die Natur brauchen, doch gibt im heutigen Leben es so viele Ablenkungen, daß man/frau es leicht vergessen kann. Ich jedenfalls kann und will nicht ohne sie auskommen.
      Herzliche Grüße, Tanja

      Gefällt 1 Person

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