Zeit im Zelt

Anfang Juni nahm ich an dem jährlichen Treffen der Colorado Field Ornithologists in Steamboat Springs, im Nordwesten Colorados, teil. Die Organisation veranstaltet diese Tagungen bereits seit den 60er Jahren, doch besuchte ich sie zum ersten Mal. Es gefiel mir, Vogelliebhaber aus unterschiedlichen Gegenden unseres Staates kennenzulernen, und an Exkursionen an drei aufeinanderfolgenden Tagen teilzunehmen, die von verschiedenen Vogelführern mit jeweils ganz eigenem Stil geleitet wurden. Im Alltag mache ich mich meistens alleine auf Vogelsuche auf, doch eine Gruppe bietet mehr Augen, Ohren und Erfahrungen, die mir helfen, mich mit neuen Arten bekannt zu machen, die ich alleine wahrscheinlich übersehen würde.

Eines unserer Vogelziele in Routt County

…und im benachbarten Jackson County

Vor und nach der Konferenz hängte ich einige Tage dran, um einer weiteren Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: Camping. Vor Tagungsbeginn übernachtete ich im Stagecoach Reservoir State Park, etwa 30 Kilometer südlich von Steamboat Springs gelegen, der mir von einem früheren Ausflug her bekannt war. Ein Teil des Campingplatzes bot „primitives“ Camping für $10 pro Nacht an, ohne fließendes Wasser und nur mit Plumpsklo. Weil ich während der Woche dort war, brauchte ich keine Reservierung, wohingegen ich am Wochenende keinen einzigen freien Platz vorgefunden, ihn aber sowieso nicht gewollt hätte. Was wäre der Anreiz, im Zelt von einer Wohnwagensiedlung umzingelt zu sein?

Mein Zeltplatz im Stagecoach Reservoir State Park

Aussicht von meinem Zeltplatz auf das Reservoir

Junger Trompetenschwan, den ich auf meiner 17 Km-langen Wanderung um das Reservoir herum entdeckte

Eistaucher, auch ein seltener Besucher auf dem Reservoir zu dieser Jahreszeit

Ich liebe es, im Zelt zu schlafen. Vielleicht war ich dazu geschaffen. Ich erinnere mich deutlich, als Kind Decken und Badetücher nach draußen geschleppt, sie mit Wäscheklammern an einem Sonnenschirm befestigt, und dadurch mein eigenes Zelt geschaffen zu haben. Es war ein schönes Spielzimmer, wo sich meine Freundinnen und ich den wachsamen Blicken unserer Eltern entzogen (nicht daß wir das nötig hatten, da wir uns sowieso immer artig verhielten). Von Zeit zu Zeit stellte mein Vater ein richtiges Zelt auf. Es bestand aus einem schweren Leinenstoff mit einem Schirm im Zentrum, an den die Wände mit Reißverschlüssen befestigt wurden. Es hatte ein spitzes Dach und sah in meiner Vorstellung wie ein Beduinenzelt aus, was die Fantasie beflügelte. Zweifelsohne diente es als Modell für meine eigene improvisierte Zeltversion. Obwohl meine Spielgefährtinnen und ich ab und zu in diesen Zelten schliefen, machte meine Familie nie eigentliche Campingurlaube. Glücklicherweise heiratete ich einen Mann, der mir das Zelten auf Autoreisen und Rucksacktouren nahebrachte. Ich glaube, es macht mir jetzt sogar mehr Spaß als ihm (er ist anderer Meinung).

Ich liebe die Tatsache, daß mich lediglich eine dünne Stoffschicht von der Außenwelt trennt. Wenn das Wetter mild genug ist, das Überzelt wegzulassen, oder wenigstens das Vestibül offen zu lassen, platziere ich meine Isomatte so, daß ich dem Lauf der Sterne und des Mondes folgen kann. Außerdem ermöglicht es mir, den Lauten der Natur zu lauschen. Das Heulen der Kojoten, mag es noch so klischeehaft sein, bestätigt, daß wenigstens ein Teil der Wildnis überlebt. Dazu kommt natürlich noch Vogelgesang. Meine Lieblingsziele wimmeln mit gefiederten Kreaturen, die mich lange vor Sonnenaufgang wecken. Es ist mir ein großes Vergnügen, früh am Morgen einige Stunden lang mit Fernglas und Kamera loszuziehen, um danach wieder zum Zeltplatz zurückzukehren, und Wasser auf unserem Campingkocher für Tee oder Kaffee zu erhitzen. Oder von meinem Mann damit überrascht zu werden, wenn wir zusammen unterwegs sind!

Allein mit den Wildpferden

Es ist ungewöhnlich, beim Camping im Sommer in einem Staatspark keine Nachbarn zu haben. Als ich nach dem Ende der Vogeltagung bei den Wildpferden im Sand Wash Becken in Moffat County zeltete, sah ich hingegen keine andere Menschenseele. Das Ende der Konferenz bedeutete nicht gleichzeitig das Ende der Vogelbeobachtungen. Sand Wash ist nicht nur Heimat für behufte, sondern ebenso für beflügelte Tiere. Sobald ich von der geteerten Fahrbahn auf den Schotterweg abbog, begrüßten mich Wiesenstärlinge und Spottdrosseln, beide hervorragende Sänger. Ferner wurde ich besser mit dem abwechslungsreichen und heiteren Repertoire von Bergspottdrosseln bekannt, und hörte eine Beifußammer zum ersten Mal (ein „Lifer“ or „life bird“ für mich, wie ein Vogel im Jargon genannt wird, den frau zum ersten Mal in ihrem Leben sieht). In einer Landschaft, wo die Wohnstätten der Präriehunde durch Erdhügel angezeigt werden, finden sich oft Prärieeulen, und meine Erwartungen wurden auch in dieser Hinsicht nicht enttäuscht.

Bergspottdrossel mit einem Happen

Beifußammer

Präriehunde

Prärieeule

Fernab von menschlichen Mißklängen wurde das Abend- und Morgenkonzert der Vogelwelt nicht allein von Kojotenmusik ergänzt, sondern auch von dem Wiehern wilder Pferde. Vielleicht erinnert mich das Zelten an den eigenen wilden Schimmel in mir.

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24 Stunden mit wilden Pferden

Pferdefleisch — das potentielle Schicksal wilder Mustangs? Als ich über dieses Szenarium in der Zeitung lese, erweckt es in mir den Wunsch, etwas Zeit mit ihnen zu verbringen. Dies wird erleichtert, weil ich Anfang Juni an einer Vogeltagung in Steamboat Springs, im Nordwesten Colorados, teilnehme. Nur etwa 110 Kilometer von diesem Juwel am Yampa Fluß entfernt lebt nämlich eine von insgesamt vier wilden Herden in unserem Bundesstaat. Seit einem kurzem Besuch vor einigen Jahren mit meinem Mann hege ich die Hoffnung, dorthin zurückzukehren.

Als ich das Sand Wash Becken in Moffat County erreiche, stelle ich mir die brennende Frage, ob ich wilde Rosse sehen werde, denn sie rangieren in freier Wildbahn und halten sich nicht immer nahe der Schotterstraße auf. Mit meinem Fernglas inspiziere ich meine Umgebung. Frische Pferdeäpfel entlang des Weges deuten auf ihre Präsenz hin, doch muß ich mich einige Kilometer weit gedulden, bevor ich eine vielversprechende Silhouette am Horizont sehe und erleichtert aufatmen kann. Zu meiner großen Freude ist das nur die erste in einer Reihe langschwänziger und –mähniger Kreaturen, besonders nachdem ich auf eines ihrer Wasserlöcher stoße, wo reges Treiben herrscht.

Die Pferde treten als Einzelgänger oder in Gruppen auf, die sich bis auf einige Dutzend beziffern. Hengste im Teenager Alter streiten sich um die Führungsposition. Das meiste Gezanke scheint gutartig, aber Narben im Fell deuten auf ernstere Vorfälle hin.

Harems mit Stuten und Fohlen werden von Alpha-Männchen gehütet, die potentiellen Rivalen mit Zähnefletschen und Beintreten drohen. Mir ist nicht bewußt, daß Pferde in traditionellen Familieneinheiten leben, doch ein besonderer Clan besteht aus dem vermeintlichen Vater, der Mutter, ihrem diesjährigen Fohlen und ständigen Schatten, und einem Einjährigen. Obwohl physiologisch unwahrscheinlich, ist sie scheinbar wieder trächtig, basierend auf ihrem gewölbten Bauch. Diese vier halten eng zusammen, und er hält Eindringlinge auf Beineslänge.

Der Tagesablauf der Pferde ist von der Suche nach Futter und Wasser dominiert. Häufige Trinkpausen sind an diesem fast 30 Grad Celsius heißen Tag essentiell. Der Tagesbedarf für Erwachsene beträgt 38 bis 45 Liter, bis doppelt so viel für säugende Stuten. Der jährliche Niederschlag von 18 bis 30 Zentimetern kann den Bedarf nicht decken, sondern muß von Menschenhand ergänzt werden.

In der baumlosen Landschaft sind die Tiere den Elementen völlig ausgeliefert — der stechenden Sommersonne, und den klirrenden Wintertemperaturen. Sie werden von lästigen Insekten gepeinigt. Windböen wirbeln ständig Staubwolken auf. Mein Auto mit sämtlichem Inhalt, mich inbegriffen, wird von einer Puderschicht bedeckt. Während meines Aufenthaltes warte ich das Ende eines Gewitters im Wagen ab. Die Pferde können den paukenartigen Donnerschlägen, den bedrohlichen Blitzen und dem durchnässenden Regen nicht entkommen. Ich male mir aus, wie sie sich in einem Knäuel zusammendrängen, und die Kleinen in ihrer Mitte so gut wie möglich behüten.

Ich genieße meine vierundzwanzig Stunden in Sand Wash, wo die Luft mit dem Duft des Wüstensalbeis durchtränkt ist, wann immer ich mit dessen silberfarbenen Blättern in Berührung komme. Ich höre nur den Gesang des Windes und der Vögel, das Gewieher der Pferde und das Gejaule der Kojoten des Nachts. Aber meine Beobachtungen lassen mich einige meiner Vorannahmen hinterfragen. Obwohl die Pferde frei sind, ist ihr Leben nicht ohne Kosten. Ganz bestimmt ist es kein Zuckerschlecken. Die meisten Herden leben in wüstenartigen Bedingungen. Erfreuen sie sich ihrer Existenz? Wäre es besser, nicht auf sich selbst angewiesen zu sein? Halten wir sie unserer eigenen romantischen Vorstellungen zuliebe wild? Wilde Mustangs im wilden Westen?

Diese Frage ist angesichts eines beständigen Dilemmas nach wie vor relevant. Seit Inkrafttreten des Wild-Roaming Horses und Burros Gesetzes 1971, werden die darin genannten Pferde und Esel vom Bureau of Land Management (BLM), einer staatlichen Behörde, verwaltet und geschützt. Ebenso lang ist das Programm umstritten. Seit Anbeginn pflanzen sich die Populationen zu erfolgreich fort. Ohne Raubtiere verdoppeln sich ihre Zahlen alle vier Jahre, und die Herden müssen regelmäßig ausgedünnt werden. Sand Wash kann ungefähr 300 Pferde unterhalten, hat aber zur Zeit etwa 600. Eingefangene Tiere werden von jeher an Privatleute verkauft, die ihre guten Absichten mit Unterschrift besiegeln, aber viele sind bis zum Verkauf auf Viehhöfen eingepfercht, und einige sterben. Geburtenkontrolle wird zwar praktiziert, aber nicht konsequent. Sie ist kompliziert und teuer. Rinderzüchter waren von Anfang an gegen das Programm, wegen Konkurrenz um BLM Land. Um Kosten zu sparen, will die jetzige US Regierung die Ausgaben um mindestens 10 Millionen Dollar kürzen, indem sie den Verkauf der Wildpferde an Schlachthöfe in Nachbarländern erlaubt, wo Pferdeschlachtungen legal sind, eine bisher verpönte Option.

Wenn die Populationsdichte zu groß für die Umwelt ist, resultiert das in Krankheit, Verhungern und Tod. Der bewegungslose Körper, den ich auf der kargen Erde liegen sehe, ist ein beklemmendes Zeichen. Daß etwas getan werden muß, ist ohne Frage. Ich verstehe, wie willkürlich es ist, manche Tiere als Nahrungsmittel anzusehen, und andere auszuschließen. Meiner Meinung nach muß und soll Pferdefleisch nicht die Antwort sein. Verhütung und Adoptionen sollten fortgeführt und erweitert werden, aber mit der Erwartung, daß die Adoptivkinder gut versorgt werden.

Das Memoir, The Pastures of Beyond (2005), von Schriftsteller und Naturschützer Dayton O. Hyde (geboren 1925) bestätigt, daß die Schwierigkeiten nicht neu sind, schlägt aber auch eine alternative Lösung vor. 1988 beschloß er, seine Erfahrungen als Cowboy, Ranchbesitzer und Pferdeliebhaber zu nutzen, um einen Zufluchtsort für überzählige Vierbeiner des BLM zu schaffen, das Black Hills Horse Sanctuary in South Dakota. Hut ab! Er hat seine Passion in eine Traumrealität umgesetzt, sowohl für sich selbst, als auch für die Mustangs. Auf Seite 243 der gebundenen Ausgabe reflektiert er: „ Hoch über den Bergzügen des Cheyenne Flusses beobachte ich, wie wilde Pferde voller Wonne galoppieren…Es war mir möglich, wilden Pferden über 10.000 freie Pferdejahre zu schenken, aber was zählt ist dies: Es gibt noch Menschen, die sich kümmern“.

Ich bewundere seine Hingabe und wünsche mir noch mehr Träumer und Visionäre wie ihn, die sich kümmern, und die in seine (Huf)stapfen treten.

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Amerikanischer Graujäger

Der amerikanische Graureiher (Ardea herodias) ist Nordamerikas größter und weitverbreitetster Reiher. Dieser langbeinige und langhalsige, schiefergraue und blaue Schreitvogel is schwer zu übersehen.

Hochgewachsen, schlank und elegant steht er oft bewegungslos und statuesk am Ufer, scheinbar entspannt.

Aber der Schein trügt. Blitzschnell stößt er Kopf und Hals ins Wasser und spießt seine Beute auf, oder ergreift sie mit seinem dolchartigen Schnabel.

Erfolg.

Die Beule am Hals stammt von dem Essensbolus.

Schon wird nach dem nächsten Mahl Ausschau gehalten.

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South Park

Das jetzige Colorado war einst die Domäne der Ute Indianer. Laut ihrer Tradition lebten sie seit Urzeiten in dieser Gegend, im Gegensatz zu Stämmen, die dem unaufhaltsamen Marsch der weißen Neuankömmlinge zu entkommen suchten, und dabei immer weiter gen Westen verdrängt wurden. Auch als Mountain People bekannt erstreckte sich ihre Heimat vom Vorgebirge der Rocky Mountains bis ins heutige Utah, woher der Name dieses Staates rührt.

Von Colorado Springs aus führt die Bundesstraße 24 durch Ute Pass, einem der natürlichen Korridore ins Hochland. Einige Untergruppen der Utes überwinterten im milderen Klima am Fuß von Pikes Peak und zogen im Sommer durch den Pass nach South Park zu ihren Jagdgründen. Allen Berichten zufolge wimmelte es dort von Bisons, Gabelböcken, Rehen und Hirschen. Entlang dem Verlauf des South Platte Flusses, der sich wie ein smaragdfarbenes Band durch den ansonsten halbtrockenen Lebensraum schlängelt, schwammen damalig auch unzählige Biber.

Der gegenwärtige Besucher Colorados kann die atemberaubende Aussicht dieser unvorhergesehenen Landschaft vom etwa 3000 Meter hohen Wilkerson Pass aus genießen, der 95 Kilometer westlich von Colorado Springs liegt (siehe obiges Photo). Nach diesem Höhepunkt geht die Fahrt hinab in das flache, weitoffene Gebiet von South Park.

Straße von Wilkerson Pass in South Park hinein

In Colorados Topografie ist er einer von drei sogenannten Parks, zusammen mit Middle und North Park. Der Name leitet sich von „parc“ ab, der Bezeichnung französischer Trapper für an Wild reiche Bergkessel. Sie waren unter den ersten Europäern, die den Reichtum der Natur ausbeuteten.

In der Weite von South Park versuche ich, mir das Areal ohne Zäune, Häuser, Straßen und Autos auszumalen, als es nur mit Trampelpfaden für Tiere und Menschen hoch zu Ross durchkreuzt wurde. Von schneebedeckten Bergen umzingelt fühlt frau sich winzig — wie ein Sandkörnchen auf diesem staubigen Boden, der nichtsdestotrotz voller Gräser, Wüstensalbei und weiterer nahrhafter Futterpflanzen war und eine hohe Anzahl von Pflanzenfressern ernähren konnte.

Sich zehntausende Büffel an diesem Ort vorzustellen fällt schwer. Ihre Fülle ist längst dahin. In typischer kurzsichtiger europäischer Manier wurden die meisten dieser gebuckelten, zotteligen Huftiere bis zur Schwelle des Aussterbens gejagt. Die fast komplette Ausradierung des Symbols des amerikanischen Westens ist eine traurige Geschichte. Noch trauriger ist der nachfolgende Verlust der Heimat der Utes, die seit Menschengedenken mit ihnen koexistiert hatten, und deren Lebensgrundlage von ihnen abhing. Sie wurden von ihrem Territorium auf Reservate in Südwest Colorado und Südost Utah verbannt, wo es unmöglich war, ihre Lebensweise fortzusetzen.

Aber vielleicht ist es noch nicht zu spät für das natürliche Gleichgewicht von South Park. Nachkommen der nordamerikanischen Bisons wurden erfolgreich wiedereingeführt und können beim Grasen der auf den ersten Blick kargen Vegetation beobachtet werden. Ihre Rückkehr in die Umwelt, an die sie perfekt angepaßt waren, passierte langsam aber sicher, obwohl ihre Zahlen im Vergleich zu ihrer ehemaligen Hochblüte minimal sind.

Amerikanische Bisons in South Park

Die nächste Generation

Das gleiche trifft auch auf die schnellsten Landtiere der westlichen Hemisphäre zu, die einst den ausgestorbenen amerikanischen Geparden entkommen mußten.

Gabelböcke, links weiblich, rechts männlich

Seit den Tagen der ersten Siedler und ihrer Überzeugung, sie seien für dieses Land bestimmt, sind Generationen gekommen und gegangen. Einige, aber nicht alle irrigen Meinungen wurden korrigiert. Bisons wurden wieder in South Park beheimatet. Ob Ähnliches für die Ute Indianer möglich wäre, deren Existenz einst untrennbar von ihnen war? Im Südwesten Colorados wird die Landschaft vom Sleeping Ute Mountain dominiert. Laut Überlieferung wird der Ute Häuptling eines Tages wieder von seinem Schlaf erwachen, und mit ihm sein Volk.

Sleeping Ute Mountain

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Heute vor einem Jahr habe ich meinen ersten Beitrag gebloggt. Danke daß Du meinem Blog folgst.

 

Operation Kaninchenrettung

     Kaninchenpopulationen durchlaufen einen zehnjährigen Zyklus, in dem sich ihre Zahlen auf und ab bewegen. Laut hiesigen Biologen erreichten sie vor zwei Jahren ihre Höchstwerte. Wir bekamen 2015 eine erste Ahnung davon, als Horden dieser „Bunnies“ den Garten in Beschlag nahmen, und bei Abend- und Morgendämmerung, von den Autoscheinwerfern aufgeschreckt, nach rechts und links davonstoben. Ein noch direkterer Beweis war die unerwartete Präsenz eines winzigen grauen Bällchens im Fensterschacht unseres Kellerschlafzimmers. Ein Rascheln erreichte unsere halbwachen Ohren durch das offene Fenster. Zu behaupten wir seien erstaunt gewesen, ein Kaninchen im Bau zu entdecken, ist eine Untertreibung. War es ein Traum, und würde Alice folgen?

     Wir wußten nicht, ob es anderthalb Meter tief gefallen, oder durch eine Sickeranlage gekrochen war (wenn dem so war, wollte es nicht auf selbem Wege entkommen), aber wir waren erleichtert, daß es keine offensichtlichen Verletzungen aufwies. Das samtige Baby saß einfach da, nasezuckend und ohrendrehend.

     Wie sollten wir diese klitzekleine Kreatur nur retten? Als wir das Schiebefenster öffneten und das Fliegengitter entfernten, verschwand das Baumwollschwänzchen im Wasserrohr, erschien aber nach einigen Minuten wieder. Es blieb in der Nähe dieses Notausgangs und machte davon Gebrauch, sobald wir versuchten, uns ihm zu nähern. Nach ungefähr einer Stunde hüpfte es endlich weit genug davon weg, daß wir das Loch bedecken, und das Tierchen mit einer Decke einfangen konnten. Wir trugen es nach draußen, wo es unter einen Wacholder huschte. Dort saß es dann lässig, als sei nichts passiert.

     Als im Mai vergangenen Jahres abermals nächtliche Geräusche aus dem Fensterschacht drangen, schauten wir uns ungläubig an. Wir warteten zwar bis Tagesanbruch, wiederholten aber ansonsten das gleiche Prozedere wie zuvor. Im Laufe des Sommers mußten wir auf dieses Ritual noch einige Male zurückgreifen, und setzten Kaninchen Nummer zwei, drei und vier erfolgreich auf freien Fuß. Wir vermuteten, daß sie sich ein Spiel ausgedacht hatten: Wer kann uns am längsten auf Trab halten?

     Wissenschaftlichen Vorhersagen zufolge sollten die Kaninchenzahlen im Abnehmen begriffen sein, und wir erhofften uns ereignislose Sommermonate. Doch auch 2017 enttäuschte nicht und die wundersamen Geschöpfe haben den Trend fortgesetzt, unseren Schlummer zu unterbrechen. Nach fast drei Jahrzehnten in diesem Haus ohne Tierrettungen gab es sie nun drei Jahre in Folge. Anscheinend machen sie sich nichts aus Statistik.

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