Stiller See

Gewisse Orte üben einen starken Einfluß auf unsere Phantasie auf. Zu diesen gehört für mich Manitou Lake im benachbarten Teller County. In meiner Vorstellung heißt er auch „Stiller See“, was seinen Charakter perfekt beschreibt, und woran mich ein Ausflug Ende Juli/Anfang August wieder erinnerte. Der See schmiegt sich in ein idyllisches Bergtal, das wunderbare Ansichten der Nordwand von Pikes Peak sowie ein Zuhause für ein Aufgebot attraktiver Anwohner bietet.

Pikes Peak früh am Morgen mit Nimbus

Pikes Peak später am Tag mit Wolkenlandschaft

Da Manitou Lake laut „ebird“ Teller Countys heißester „Hotspot“ unter Vogelbetrachtern ist, war es auch diesen Sommer wieder Ziel des jährlichen Picknicks meines Vogelclubs. Dieses Treffen war Anstoß für meinen Besuch, doch ich hängte noch einige Tage dran. Nachdem wir uns in ornithologischen Beobachtungen und kulinarischen Exzessen ergangen hatten, und meine Vogelfreunde, über die ich demnächst mehr berichten werde, davongeflattert waren, widmete ich meiner Lieblingsbeschäftigung mehr Zeit. Ohne jede einzelne gefiederte Erscheinung aufzuzählen, möchte ich das wiederholte Auftauchen eines Drosseluferläufers erwähnen. Er war sehr kooperativ und photogen und erfreute das Herz dieser hoffnungslosen Betrachterin, weil er einer der wenigen Strandläufer ist, die ich einigermaßen verläßlich – na ja, gelegentlich – identifizieren kann.

Was Insekten anbelangt, sieht es bei mir noch hoffnungsloser aus. In der Hinsicht bin ich allerdings zufrieden, die Form, Farbe und Größe der Insekten zu bewundern, und dankbar, wenn sie lange genug posieren, bis meine Kamera bereit ist.

Die allgegenwärtigen, neugierigen und possierlichen Goldmantel-Ziesel erkenne ich ohne Probleme, und sie haben nicht nur weitere bezaubernde und unterhaltsame Begegnungen tierischer Art geliefert, sondern auch mein Herz gestohlen.

Auch wenn Manitou Lake nur tagsüber Besuchern offen steht, gibt es in der Nähe drei, von der Forstagentur verwaltete Campingplätze. Ich suchte mir den etwa drei Kilometer entfernten South Meadows Campingplatz aus, um meine Unterkunft für zwei Nächte aufzuschlagen. Mein Aufenthalt fiel mit einer Serie sonniger Tage zusammen, die von einer Reihe verregneter eingerahmt wurden, dank unserer „Monsune“. Diese Bezeichnung für die hiesigen Sommerregenfälle war den alteingesessenen Einwohner Colorados nicht geläufig. Vielmehr scheinen die gegenwärtigen Meteorologen das Bedürfnis zu haben, diesen tropischen Ausdruck auf unser eindeutig untropisches Klima anzuwenden.

Monsun oder nicht, der üppige Regen hat zu einem Zustand botanischer Fülle in einem Staat beigetragen, der zwar für seine Wildblumen, aber nicht für seine Üppigkeit bekannt ist. Im Mischwald, auf den saftigen Wiesen und in den gesättigten Feuchtgebieten um Manitou Lake herum verschönerten bunte Blüten jede Wanderung, und erinnerten auf florale Weise an die Kostbarkeit dieser Tage, und an die enthusiastische Energie unserer Erde.

Die Tagestemperaturen auf 2,350 Meter Höhe pendelten zwischen angenehmen 18 und 25 Grad Celsius, und wenn sie nachts auf 8 Grad sanken, hielt mich mein Schlafsack warm. Ein sternenbedecktes Firmament folgte dem teils sonnigen Himmel. Der zunehmende Mond lugte durch mein offenes Überzelt, bis er hinter dem westlichen Horizont versank. Im Nachhinein hätte ich diese äußere Schale weglassen können, da sich die Schleusen erst wieder öffneten, nachdem ich mein vorläufiges Domizil schon wieder abgebaut hatte. In Colorado sind wir von der Sonne verwöhnt und werden griesgrämig, wenn sie sich längere Zeit verdeckt hält. Ich habe auf zweifache Weise von meiner Exkursion zu diesem stillen Ort profitiert: indem ich ein kurze Trockenperiode erlebte, und Zeugin mehrerer Sonnenauf- und Sonnenuntergänge sowie der unaufhörlichen und unermüdlichen Vorgänge der Natur wurde.

Klicken Sie bitte hier für die englische Version/click here for the English version:

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2017/08/17/serenity-lake/

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8 Gedanken zu “Stiller See

  1. Das ist so traumhaft schön, dass ich dich wirklich ein wenig beneide.

    Besonders deshalb, weil ich hier in der Stadt nie mehr den Sternenhimmel, geschweige die Milchstraße sehe.
    Du lebst in einem wunderschönen Land, ich habe es einige Male besucht, und in einem ganz besonders schönen Bundesstaat.
    Danke für deine Beschreibung und dein Bilder. Beide sind wunderbar!
    Liebe Grüße
    Brigitte

    Gefällt 1 Person

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