Ancestral Puebloans-Teil 4: Hovenweep

Dies ist Teil 4 einer mehrteiligen Serie.

Klicken Sie bitte hier für Teil 1, hier für Teil 2, hier für Teil 3.

Hovenweep National Monument wurde im Jahre 1923 gegründet. Es handelt sich dabei um eine Ansammlung weniger bekannten Ruinen der Ancestral Puebloans, die sich entlang der Grenze zwischen Colorado und Utah erstrecken. Es zählt zu jenen abgelegenen Kleinoden mit viel Anziehungskraft, die uns immer wieder zu ihm zurückzieht. Unser vierter Besuch fand im Mai dieses Jahres statt.

Hovenweep setzt sich aus sechs verschiedenen Standorten zusammen, wo zwischen 1200 und 1300 u. Z. um die 2500 Einwohner gelebt haben sollen. Fünf der Siedlungen sind etwas abgelegen, und hauptsächlich per Vierradantrieb über Feldwege, oder per pedes über Wanderwege zu erreichen. Die Hauptattraktion heißt Little Ruin Canyon und liegt in der Nähe des anmutigen Besucherzentrums, das in einem Stil erbaut wurde, der im Südwesten weitverbreitet, und den ehemaligen Pueblos nicht ganz unähnlich ist.

Hovenweep Besucherzentrum

Ein drei bis vier Kilometer langer Weg ermöglicht Zugang zu den runden, quadratischen und D-förmigen Türmen, die für diesen Ort charakteristisch sind. Die Route folgt dem Rand des Canyons, führt aber auch in ihn hinunter. William Henry Jackson (1843-1942), der legendäre Photograph des Westens, soll ihn Hovenweep getauft haben, das in der Sprache der Ute/Paiute soviel bedeutet wie verlassenes Tal. 1874 erforschte er die Gegend als Mitglied der berühmten Hayden Expedition, die es ihm auch ermöglichte, die ersten Bilder von Mesa Verde zu machen.

Sonnenaufgang und Monduntergang

Sonnenaufgang

Eine der interessantesten Ruinen, genannt „Eroded Boulder House“ (ich nenne es die Muschel)

Während unserer letzten zwei Aufenthalte zelteten wir auf dem aus 31 Stellen bestehenden, relativ kompakten Campingplatz. Ein Gehweg zum nahegelegenen Little Ruin Canyon spornte uns zu wiederholten Exkursionen an. Die dortigen Pflanzen haben schon immer zu unserer Begeisterung beigetragen. Dunkelgrüne Wacholderbäume, duftender Wüstensalbei, schwertartige Yucca Gewächse und farbenreiche Kakteen waren weitverbreitet und wurden von kleineren Wildblumen ergänzt, die Kolibris und weitere Bestäuber anlockten. Auf dem felsigen Boden parfümierten Kliffrosen die Lüfte mit süßen Düften. Trotz der harschen Umwelt war die Fauna nicht weniger divers als die Flora, und Insekten, Eidechsen, Vögel und Säugetiere waren reichlich vertreten.

Vielseitige Yucca

Kliffrosen am Rand des Little Ruin Canyon

Blüten mit Regentropfen

Halsbandleguan

Auch Blaumückenfänger lieben Little Ruin Canyon

Während der Ära der Ancestral Puebloans wurde alles, was als Lebensmittel, Feuermaterial oder Kleidung nutzbar war, geerntet. Yucca Pflanzen alleine stellten Nahrung (Blüten), Fasern (Blätter), Nadeln (Blattspitzen) und Seife (Wurzeln) zur Verfügung. Kaktusblätter waren eßbar. Die faserige Rinde von Wacholder wurde zu Fasern, Füllmaterial, Windeln und Toilettenpapier verarbeitet. Kiefernsamen stellten kalorienreiche Bissen dar. Die Frage, ob die Pueblo Bewohner in Einklang mit der Natur lebten, drängt sich auf. Es gibt Hinweise darauf, daß sie Teilnomaden blieben. War es ihr Ziel, das Land brach liegen zu lassen, damit es sich erholen konnte? Auch waren ihnen Monokulturen wahrscheinlich fremd. Ich kann mir nicht vorstellen, daß eine Zivilisation, die die Zyklen des Himmels zu interpretieren wußte, die Lektionen der Erde ignoriert hätte. War es letztendlich eine ausgedehnte Dürreperiode, die all ihre Voraussicht und Vorbereitungen nichtig machte, und sie dazu zwang, ihre Heimat vor 700 Jahren zu verlassen? Nur die Gemäuer von Hovenweep wissen die Antwort.

Damit kein falscher Eindruck vermittelt wird — das Leben war anstrengend, die Lebenserwartung kurz. Hunger und Durst? Tägliche Belange. Bewaffnete Auseinandersetzungen? Wahrscheinlich. Kannibalismus? Möglich. Die Ancestral Puebloans waren Menschen mit menschlichen Schwächen. Dennoch inspirieren und laden sie uns ein, immer wieder zurückzukehren, und uns in ihrer faszinierenden Welt umzuschauen. Ihr Exodus, ihre bemerkenswerten Relikte, ihre anschaulichen Felszeichnungen und –ritzungen werfen mehr Fragen als Antworten auf, und ihre Geheimnisse überdauern.

Wer waren diese Ancestral Puebloans?

Klicken Sie bitte hier für die englische Version/click here for the English Version:

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2017/09/14/ancestral-pueblo…part-4-hovenweep/

8 Gedanken zu “Ancestral Puebloans-Teil 4: Hovenweep

  1. Fragen, die sich nicht bis auf den letzten Rest beantworten lassen, aber ich liebe es, dass es noch Geheimnisse gibt.
    Dein Beitrag ist wieder ganz wunderbar und als visueller Mensch begeistern mich deine Fotografien.
    Was für ein traumhaftes Licht du eingefangen hast.
    Unsere Erde ist so wunderschön, hoffentlich bleibt sie uns erhalten.

    Vielen Dank liebe Tanja.
    Liebe Grüße
    Brigitte

    Gefällt 2 Personen

    • Herzlichen Dank für Dein ununterbrochenes Interesse, liebe Brigitte. Mit dem Licht klappt es manchmal besser, manchmal nicht so gut, aber besonders an dem Morgen, als der Mond unter- und die Sonne aufging, leuchteten die Ruinen ganz wunderbar.
      Ich finde es auch gut, daß es noch Rätsel und Geheimnisse gibt, die uns inspirieren.
      Auch teile ich Deine Wünsche hinsichtlich unserer einmaligen Erde, die schon so viel ausgehalten hat.
      Herzlichst,
      Tanja

      Gefällt 2 Personen

  2. Tanja, das ist mal wieder ein ganz zauberhafter Beitrag! Ich lerne durch dich die USA von einer sehr, sehr schönen Seite kennen. Ich danke Dir für Deine wirklich super schönen Fotos und die vielen wunderschönen Eindrücke, die mich immer sehr berühren.

    Gefällt 2 Personen

  3. Hallo Tanja,
    das ist ein schöner Abschluss für deine vierteilige Serie!
    Ach wenn die alten Gemäuer doch reden könnten! Sie hätten uns ja so viel zu erzählen…. ganz egal auf welchem Kontinent wir auch leben!
    Da sie das nicht tun, müssen oder besser dürfen wir unserer Fantasie freien Lauf lassen und das ist auch gut so.
    Viele Grüsse aus Kanada,
    Christa

    Gefällt 2 Personen

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