Sonnenwende

Mein Körper reiht sich ein.

Er ist an seinem dunkelsten Punkt,

aber nur für kurze Zeit.

Nicht genug Zeit für Wahnsinn

     oder vorübergehende Depression.

Der dunkelste Punkt stellt nur eine kurze Gelegenheit dar.

Eine Gelegenheit für Traurigkeit, Einsamkeit, Sichentlieben

     und weitere Zustände, die mit Lichtmangel einhergehen.

Aber bevor von der Gelegenheit Gebrauch gemacht werden kann, ändern sich

     die Schatten.

Das Licht wird stärker,

zieht mich zu sich hin.

Zu seiner Wärme, dem darin verborgenen Versprechen.

Und so beginne ich den nächsten Zyklus,

zusammen mit den Tieren, den Pflanzen, den Ozeanen und Winden

und allen, die denselben Sog fühlen.

 

Ich finde mein Gleichgewicht.

Ich beginne erneut.

Es ist erst der zweiundzwanzigste Dezember und schon beginnt es,

     sich wie Sommer anzufühlen.

 

Ofelia Zepeda (born 1952), „The South Corner” (meine Übersetzung aus dem Amerikanischen) aus der Anthologie Sisters of the Earth: Women’s Prose & Poetry about Nature. Lorraine Anderson, Hrsg., 2. Ausgabe, 2003.

Klicken Sie bitte hier für die englische Version/click here for the English version :

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2017/12/22/solstice/

11 Gedanken zu “Sonnenwende

  1. Liebe Tanja, eine leichte Gänsehaut überzieht mich gerade. Wie wahr geschrieben, diese Worte! Das ist der Kreislauf der Natur und nur wer sich „mitziehen“ lässt von ihr, wird auch wieder aufgefangen! (nicht genug Zeit für Wahnsinn oder vorübergehende Deperessionen) Die Sensibilität eines jeden einzelnen ist sehr unterschiedlich. Nicht jeder hat diese „feinen“ Antennen um wirklich zu spüren und zu fühlen . . . dabei „atmet“ es sich doch im Einklang mit der Natur auf wunderbare Art und Weise 😉

    Gefällt 2 Personen

      • Liebe Tanja, entschuldige bitte, ich war so hin und weg von diesem Gedicht 😉 Dir auch natürlich ein schönes Weihnachtsfest in Harmonie, alles, alles Gute für das Neue Jahr mit einem doch hoffentlich zufriedenen Rückblick auf das hiesige Jahr 😉

        Gefällt 1 Person

  2. Hallo Tanja,
    das Gedicht so wie auch deine Übersetzung sind wunderschön!
    Und wer immer Probleme hat, der sollte es lesen… als Trost oder als Therapie… denn die Worte sprechen das so wunderbar aus, dass es eigentlich immer wieder bergauf geht, dass es immer ein Licht am Ende des Tunnels gibt, dass man nie aufgeben soll…
    Herzliche Grüsse aus Kanada
    Christa

    Gefällt 2 Personen

    • Hallo Christa,
      es freut mich, dass dieses Gedicht Dich auch berührt hat. Ich finde es genial, und bin froh, es in dieser Anthologie gefunden zu haben. Ich kann sie wärmstens empfehlen, denn sie beleuchtet vielfältig unsere innige Beziehung zur Natur.
      Liebe Grüße,
      Tanja

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  3. Wunderbar ist das, liebe Tanja und die Aufnahme ist *breathtaking* !
    Ich bin froh, dass es wieder bergauf geht. Die dunkle Jahreszeit ist bedrückend, weswegen wir mit vielen Lichtern in der Adventszeit versuchen ihr zu entkommen.
    Jetzt haben wir jeden Tag 3 Minuten länger Licht. Schon Mitte Januar kann man es deutlich merken. Hurra.
    Liebe Grüße
    Brigitte

    Gefällt 1 Person

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