Berlin-Pfaueninsel

Nachdem ich meinen historischen Hunger mit schwer verdaulicher Kost gestillt hatte, luden Berlins grünere und appetitlichere Bissen ein. Den Kopf noch voller erschütternder Gedanken über die berüchtigte Wannsee Konferenz war ich für die Gelegenheit dankbar, meinen Reset-Schalter zu betätigen, während ich auf bewaldeten Wegen entlang der in der späten Morgensonne glitzernden Havel zu meinem nächsten Ziel wandelte.

Ich verdankte meine Kenntnis von der bekannten Pfaueninsel meinem antiquierten Reiseführer, den ich bereits in einem vorherigen Blog vorstellte. Die Erwähnung exotischer Pflanzen und Vögel weckte mein Interesse, und obwohl die Saison für blumige Üppigkeit bereits zu weit fortgeschritten war, erhoffte ich mir einige Einblicke in die Vogelwelt. Die Insel wurde 1924 zum Naturschutzgebiet ernannt und gehört seit 1990 unter der Rubrik Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg auch zum UNESCO Weltkulturerbe. Sie kann nur mittels Fähre erreicht werden, und die 4 Euro Fahrt war im Nu vorüber, so daß ich meinen Fuß schnell wieder erwartungsvoll auf festen Boden setzte.

Wie das Glück es wollte, profitierte ich vom mildesten und sonnigsten Wetter meiner gesamten Reise. Die schrägen, späten Herbststrahlen tauchten Vegetation, Gebäude und Bewohner der Insel in ein warmes Licht. Auch wenn das Gelände und die meisten Pflanzen von Menschenhand gestaltet wurden und regelmäßig von Menschenhand unterhalten werden, auch wenn sie Nutztieren wie Schafen, Pferden und sogar asiatischen Wasserbüffeln (allerdings nur in den Sommermonaten) ein Zuhause bieten, haben auch wilde Lebensformen, seien sie beblättert oder beschwingt, ihre Nischen gefunden und belegt. Das Gebiet ist für seine seltenen Wildblumen, Fledermäuse, bedrohte Käfer sowie mehr als 100 Vogelarten bekannt.

Schloss Pfaueninsel, vom preußischen König Friedrich Wilhelm II zwischen 1795-97 für seine Mätresse erbaut

Die Anzahl der Vögel war an diesem Dezembertag erwartungsgemäß niedriger, doch bewunderte ich diverse Wasservögel, Sperlinge, Meisen, Kleiber, Amseln, Häher, Reiher und sogar zwei Gimpel.

Kleiber (Sitta europaea)

Gimpel (Pyrrhula pyrrhula)

Und natürlich auch die für den Namen der Insel verantwortlichen, gefiederten Wesen, deren Präsenz durch eine einzige, auf einem Mooskissen ruhende Feder, angekündigt wurde.

Auf einer naheliegenden Voliere ruhte deren ehemaliger Träger in der späten Herbstsonne. Die ursprünglich vom indischen Subkontinent stammenden blauen Pfaue (Indian Peafowl) wurden bereits in römischen Zeiten auf Inseln wie dieser gehalten, um Diebstahl und Flucht zu erschweren. 

Es spricht für sich, daß während meines zweieinhalbtagelangen Aufenthalts in Deutschlands Hauptstadt die auf diesem Eiland verbrachten Stunden, fern vom geschäftigen Treiben, fern von allen Kontroversen, zu den schönsten gehörten. Das Gefühl des Entkommens wurde durch die Fährfahrt, die beschränkte Menge der Besucher und Gärtner in dieser fortgeschrittenen Jahreszeit sowie durch den spärlichen Schiffverkehr auf dem Fluß vertieft. Ich genoß die Illusion eines ungezähmten Landstrichs, wo ich mich an der frischen Luft laben und in der Restwärme der Sonnenstrahlen räkeln konnte. Augenblicklich leichten Herzens wurde ich mir meines ständig wachsenden Bedürfnisses bewußt, unter freiem Himmel zu wandern, besonders wenn er von gutgelauntem Vogelgezwitscher widerhallt.

Klicken Sie bitte hier für die englische Version/click here for the English version:

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2018/01/26/peacock-island/

9 Gedanken zu “Berlin-Pfaueninsel

  1. Gerade in so großen rummeligen Städten sind Ausflüge in die Natur so erfrischend und wohltuend. Das wäre mir vermutlich auch so gegangen. Zum Glück gibt es diese Oasen in der Stadt. Schöne Aufnahmen und du hast sonnige Tage abbekommen, du Glückliche 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Danke, liebe Almuth. Ich weiß nicht warum, aber Dein Kommentar blieb irgendwo stecken, deshalb die verspätete Antwort. Städtebesichtigungen und Kultur sind interessant, doch wächst dabei meine Sehnsucht nach dem Freien und der Natur. Leider hatte ich nur begrenzt Zeit, sonst hätte ich gerne noch mehr von Berlins grünen Seiten entdeckt.
      Herzliche Grüße,
      Tanja

      Gefällt 1 Person

      • So gehts mir auch oft. Stadt ist schön und spannend, aber ich sehne mich auch nach den grünen Seiten und Parks. Nur Pflastertreten wird mir irgendwann zu viel. Liebe Grüße, Almuth

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.