Colorados berühmtes Tal

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Des Frühlings blaues Band

Auf einer Höhe von 1800 Metern richtet sich der Frühling nicht unbedingt nach meteorologischen oder astronomischen Vorhersagen. Er erscheint nicht schlagartig, sondern nähert sich verstohlen. Ein grüner Sproß hier, eine pinkfarbene Blüte dort, ein smaragdfarbener Ton auf dem Rasen; im Werden begriffene Baumknospen, die Espen mit einem roten Hauch, und Pappeln mit einem goldenen überziehen.

Der noch verbleibende Schnee an Nordhängen oder im Schatten eines Felsens oder Baumes ist grobkörnig und knistert unter den Sohlen. Er verweilt, bis es den länger werdenden Tagen und dem sich vergrößernden Sonnenwinkel gelingt, diese letzten Überbleibsel des Winters wegzuschmelzen.

Zugvögel beginnen die Reise in ihre Brutgebiete. Neben den aufmunternden Farben und der ansteckenden Lebenskraft der Flora tragen die gefiederten Wesen mit ihrer Anwesenheit, Lebhaftigkeit und Musik dazu bei, diese kommende zu meiner Lieblingsjahreszeit zu machen.

Ich habe bereits die Rückkehr der Wanderdrosseln und ihre lieblichen Stimmen in einem vorherigen Post gefeiert. Erst letzte Woche sah ich meine erste „Phoebe“ (Say’s Phoebe, Sayornis saya, Zimtbauchtyrann), zurück von ihrem Überwinterungsrevier in Mexiko. Dieser Fliegenfänger trockener Gegenden hockt auf Zäunen, senkt oft ihren Schwanz, und jagt nach Insekten.

Say’s Phoebe

Ein fliegender Saphir, dessen Rückkehr aus südlichen Gefilden ebenso den Frühlingsbeginn annonciert, ist der ätherische „Bluebird“ (Mountain Bluebird, Sialia currucoides, Berghüttensänger). Im Gegensatz zu anderen Mitgliedern der Drosselfamilie liebt er weit offene Wiesen und landet hoch oben auf Büschen, Bäumen oder Stromleitungen. Während seiner Suche nach Insekten erscheint er wie ein himmelblauer Blitz im Blickfeld.

Mountain Bluebird (männlich)

Mountain Bluebird (weiblich)

Der Romantiker Eduard Mörike mag es nicht gewußt haben, aber für mich verkörpert dieses fliegende Juwel das blaue Band seines 1828 veröffentlichten Gedichtes:

Frühling läßt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte;

Süße, wohlbekannte Düfte

Streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,

Wollen balde kommen.

-Horch, von fern ein leiser Harfenton!

Frühling, ja du bist’s.

Dich hab ich vernommen.

Ich wünsche uns allen einen schönen Frühling (und entschuldige mich bei meinen Freunden in der südlichen Hemisphäre, wo der Sommer jetzt zu Ende geht).

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Stuttgarts grüne Seiten-Teil 1

Vertiefter Kontakt mit meinen Verwandten in Stuttgart in den letzten Jahren hat mich nicht nur persönlich bereichert, sondern es mir außerdem ermöglicht, Familienbesuche mit denen in der Natur zu verbinden. Einige Orte haben es mir besonders angetan. Wie eine Sirene senden sie ihren Lockruf, und wie Odysseus kann ich ihrer Aufforderung nicht widerstehen. Im vergangenen Herbst suchte ich sie wieder auf, nachdem ich im vorherigen Jahr ihre Bekanntschaft gemacht hatte.

Der Stuttgarter Schlossgarten besteht aus drei nebeneinander gelegenen und miteinander verbundenen Teilen. Der obere Schlossgarten liegt nahe der Stadtmitte, hat den künstlich angelegten Eckensee als Zentrum, und wird von augenfälligen Gebäuden und Denkmälern umrandet, unter anderem dem neuen Schloss, der ehemaligen Residenz der Könige von Württemberg. Eine Brücke über die Schillerstraße in der Nähe des Hauptbahnhofes führt gen Norden zum mittleren Schlossgarten, der wiederum mit dem unteren verschmilzt. Diese zwei haben eine größere Fläche und scheinen abgelegener vom Getümmel der Stadt. Von einem Ende des Schlossgartens im Herzen der Stadt bis zum anderen am Neckarufer in Bad Cannstatt beträgt die Distanz etwa 4 bis 5 Kilometer, je nach gewählter Route. Ich schweife gerne, habe sie aber trotzdem in etwa zwei Stunden zurückgelegt.

Eckensee mit Königsbau rechts und Siegessäule links

Schicksalsbrunnen im oberen Schlosspark

Städtische Oasen mögen nicht so naturbelassen und einsam sein wie abgelegenere Ziele, stellen aber trotzdem willkommene Refugien dar und erinnern an die Anpassungsfähigkeit der Natur, und an ihre Tendenz, zu gedeihen, wenn ihr die geringste Gelegenheit geboten wird. Obwohl die grüne Lunge von Baden-Württembergs Hauptstadt von menschlichen Behausungen und ständigem Verkehr umgeben, und durch gepflegte Rasenflächen und geplante Bäume, Büsche und Blumen charakterisiert ist, bietet sie trotzdem ein Zuhause für wilde Tiere, obwohl es fraglich ist, wie wild sie durch häufigen menschlichen Kontakt und menschliches Zufüttern bleiben.

Höckerschwan, unbeeindruckt von Menschen

…ebenso diese schlafenden Stockenten

Die Lachmöwe läßt sich nicht stören

…und auch das Eichhörnchen nicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiher im mittleren Schlossgarten

Weite Wiese im unteren Schlossgarten

Herbstliche Pracht

…mit einladenden Wegen

 

 

 

 

 

 

Teichrallen kamen häufig vor

…ebenso wie Bläßrallen

 

 

 

 

 

Von Afrika eingewanderte Nilgänse

Eine gut aussehende Graugans

 

 

 

 

 

 

Ein noch attraktiverer Graureiher

Trotz einem fast ununterbrochenen Strom von Spaziergängern, Läufern und Radfahrern traf ich überall auf meine gefiederten Freunde, deren Präsenz die malerische Kulisse ergänzte. Da mein Besuch in Stuttgart im Spätjahr stattfand, hatte der Herbst seine Pinsel tief in goldene, bernsteinfarbene und weinrote Farbtöpfe getunkt, und großzügig die dortige Flora bemalt. An einem Tag, an dem die Sonne erfolgreich die Wolken vertrieb, die den Himmel während der restlichen Woche verdunkelten, trugen diese Farben noch etwas von der Sommerhitze in sich und erwärmten mir Herz und Seele.

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Drosselgesang

So lange mein Gedächtnis zurückreicht, habe ich selten einen Wecker gebraucht. Normalerweise erwache ich von alleine, ohne daß meine Träume durch penetrantes Piepsen unterbrochen werden. Während menschliche Schlaf- und Wachrhythmen von Anlage und Umwelt abhängen, sind sie in Vögeln angeboren. Ich erinnere mich, vor vielen Jahren über eine „Vogeluhr“ gelesen zu haben, die die Reihenfolge aufzählte, in der befiederte Wesen den neuen Tag begrüßen. Sie beginnen damit bereits Stunden vor Sonnenaufgang und führen es für geraume Zeit danach weiter. Auch sie benötigen keinen Wecker, sondern können vielmehr als einer fungieren. Im Gegensatz zum künstlichen Klingeln heiße ich diese Art von Weckruf willkommen.

Seit über 20 Jahren habe ich Colorado Springs entweder Besuche abgestattet, oder dort zeitweise gelebt, doch permanent ist es erst seit 5 Jahren mein Wohnort. Es ist mir ein Riesenvergnügen, mich mit hiesigen Vogelarten vertraut zu machen. Auch wenn wir gelegentlich von seltenen Besuchern erlesener Farbe und Schönheit beglückt werden, besonders während des Vogelzugs im Frühling und Herbst, sind die vielleicht weniger spektakulären Standvögel auch eine Quelle der Freude, und begleiten uns über viele Monate hinweg. Eine einzige Art hervorzuheben, ist eine subjektive Angelegenheit, doch möchte ich mich über einen häufigen Gartenvogel auslassen.

American Robins (Wanderdrosseln), die den European Robins (europäischen Rotkehlchen)  überhaupt nicht ähneln, sind in den 48 zusammenhängenden Staaten, Alaska und vielen Teilen Kanadas verbreitet. Obwohl sie theoretisch Colorado im Winter nicht verlassen, sind sie in unserer Nachbarschaft auffällig abwesend. Sie versammeln sich in dieser Jahreszeit in Gegenden von El Paso County, die sie mit ihrer Lieblingsnahrung versorgen. Neben Regenwürmern, mit denen sie ihre Mägen in wärmeren Tagen füllen, lieben sie Beeren, und ein Mangel an diesen kugeligen Energiespeichern zwingt sie dazu, Gebiete der Fülle aufzusuchen.

In Bestätigung eines alten Sprichwortes wächst in den kühlen Jahresabschnitten meine Liebe zu ihnen mit ihrer Entfernung, und erfüllt mich mit Sehnsucht nach ihrer Rückkehr. Stehen dann Februar und März vor der Tür, freue ich mich auf ein Wiedersehen. Ich finde die dunkle Kopf-, Rücken- und Flügelbedeckung, den orangefarbenen Bauch, und die wohlplatzierten, weißen Kleckse ebenso attraktiv wie ihren Gesang.

American Robin (Wanderdrossel)

European Robin (Rotkehlchen)

Wenn sie auch oft vor dem offiziellen Frühlingsbeginn und vor dem letzten Schneefall heimkehren, und wenn uns der Winter auch noch monatelang im Griff haben mag, sind sie Vorboten des Frühlings. Die anfänglichen Scharen zerstreuen sich im Laufe der Wochen, um sich für die Brutzeit zu paaren. Es macht Spaß, ihnen beim Hüpfen oder Schreiten über das Gras zuzusehen, oder wenn sie eine pinguinartige Haltung mit herabhängenden Flügeln annehmen. An unserer Futterstelle führen sie akrobatische Kunststücke durch, indem sie neben dem mit Talgfutter gefüllten Baumstamm schweben, aus dem sie sich schmackhafte Stückchen stibitzen. Oft erwarten sie mich des Morgens, bis ich ihr Büffet nachfülle.

Wanderdrosseln gehören zu den ersten Kreaturen, die ich vor Sonnenaufgang vernehme. An manchen Morgen im Hochsommer beginnt ihr Konzert schon gegen 3 Uhr 30. Einem anfänglichen Geschnatter folgt ein Gezwitscher, das in eine sich wiederholende, harmonische Phrase übergeht. Dem Leithammel folgt bald ein weiterer Musikant, und ein weiterer… Nach einer Weile verliere ich den Überblick, bis unzählige Echos von den Nachbargrundstücken ertönen, die in Kürze von neuen Melodien und Stimmen begleitet werden. Interessanterweise verschallen ihre Weisen vor dem Aufgehen des solaren Himmelskörpers, und während des Tages sind ihre Rufe nur zeitweilig zu hören. Vor und nach der Abenddämmerung schwellen sie erneut an, als ob sie die Zuhörer an ihre Präsenz erinnern, und mit ihren alle anderen Vorstellungen überdauernden Soli den Tag einrahmen wollten.

Als Mitglieder der Drosselfamilie, die den Ruf haben, zu den edelsten Vokalisten zu gehören, erinnern mich Wanderdrosseln an einen weitverbreiteten Sänger meiner Kindheit in Deutschland, die Amsel, was für meine Schwäche für ihr Singen verantwortlich sein mag. In der Vogelwelt liegt die musikalische Hauptverantwortung bei den Männchen, und es gibt viele Erklärungen für die Bedeutung der Noten, was Revierdemarkierung und Partnersuche anbelangt. So einleuchtend und faszinierend diese wissenschaftlichen Fakten auch sind, ist diese menschliche Seele zufrieden, von einer Symphonie umgeben zu sein, deren zeitlose Klänge das Weltall durchdringen.

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