Alles für die Katz

Darf ich vorstellen: Spunkmeyer, furchtlose Katze, um die ich mich vor kurzem während eines Urlaubs ihrer Besitzer kümmerte. Obwohl der Name einen Kater suggeriert (wenigstens für mich), ist Spunky eine Kätzin, und zwar eine ältere Dame, die in nicht zu ferner Zukunft ihren vierzehnten Geburtstag feiern wird. Vor dieser Erfahrung mit Katzensitting hatte ich mit diesen kapriziösen Kreaturen seit meiner Kindheit nur sporadisch zu tun. Damals „besaßen“ wir einige in Folge, doch wie jeder Katzenliebhaber bestätigen wird, wäre es treffender zu sagen, daß sie uns besitzen, eine der Tatsachen, an die ich wieder erinnert wurde.

Die Unabhängigkeit des Stubentigers war eine andere. Während unsere früheren Hunde unsere Ankunft nach einer Abwesenheit sehnsüchtig erwarteten, und uns erfreut und vorbehaltlos begrüßten, zeigte Spunkmeyer ihr flauschiges Angesicht erst nach einem Intervall, das sie für angebracht hielt, obwohl es sich verkürzte, je länger wir miteinander bekannt waren. Ich konnte ihr Erscheinen auch beschleunigen, indem ich die Tüte mit ihren Lieblingssnacks raschelte, die gefriergetrocknete Fische enthielt. Wenigstens in dieser Hinsicht war ihr Handeln voraussehbar, doch das war die Ausnahme. Es sei denn, ich verdrehe die Logik und behaupte, daß Unberechenbarkeit ihre einzige berechenbare Eigenschaft war.

Ich konnte weder ihre Launen erahnen, noch ihren Appetit, obwohl ich schnell lernte, was unter der reichhaltigen Auswahl ihres Dosenfutters den letzten Rang einnahm, da ihre Schüssel mit Rind meist unberührt blieb. Sobald sie den initialen Schock überwunden hatte, mich, anstatt ihrer zwei Lieblingsmenschen durch die Haustür kommen zu sehen, und sobald sie akzeptierte, daß ich ihre einzige derzeitige Gesellschaft war, bettelte sie sogar um Aufmerksamkeit, indem sie auf ihrem Hinterteil saß, einem Präriehund nicht unähnlich, und mich intensiv anstarrte. Diese Aufforderung zum Streicheln schloß einen plötzlichen Stimmungswandel nicht aus, und es war mir nicht möglich vorherzusagen, wann sie mir den nächsten bösen Blick zukommen lassen würde. In einem Moment rollte sie auf ihre Seite und genoß meine Zuwendungen, im nächsten schlug sie um sich. Sie gab mir zu verstehen, daß sie von mir erwartete, in ihrem Sessel zu sitzen, vorzugsweise mit flauschiger Decke über meinen Beinen, so daß sie sich in meinen Schoß schmiegen konnte. In diesen idyllischen Augenblicken verlieh sie ihrer Zufriedenheit Ausdruck, indem sie mit ihren samtigen Pfoten knetete, und beständig vor sich hin schnurrte. Diese Offenbarung katzigen Wohlseins und totaler Entspannung resultierte in ähnlichen Gefühlen in mir, da mir simultan eine Massage sowie eine beruhigende Melodie zugute kamen. Als müßte sie ihren mürrischen und unabhängigen Ruf aufrechterhalten, verärgerte eine leichte Beinbewegung meinerseits ihre Hoheit, führte zu einem Knurren, Fauchen und bösartigen Blick. Ein löwenartiges Brüllen signalisierte das abrupte Ende der harmonischen Szene. Diese Zeiten gemeinsamen Entzückens, mögen sie auch noch so kurz sein, sind wohl der (einzige) Grund, warum wir Menschen noch immer der Illusion anhängen, Katzen zähmen zu können.

Spunky, ich danke Dir, daß Du meine Präsenz in Deinem Reich ertragen hast, und daß Du mir wenigstens einige wonnevolle Momente gewährt hast, in denen ich mir vormachen konnte, daß Du mich tatsächlich magst, und nicht nur tolerierst. Wenn es ein nächstes Mal geben wird, versuche ich, ein besserer Mensch zu sein, und Deinen Erwartungen gerecht zu werden.

Klicken Sie bitte hier für die englische Version/click here for the English version: 

https://tanjabrittonwriter.wordpress.com/2018/05/02/meet-the-cat/

23 Gedanken zu “Alles für die Katz

  1. Liebe Tanja, Du könntest mich jetzt Tränen lachen sehen, wenn Du könntest. 🙂
    Jaaaa, so sind sie, die Stubentiger!
    Also, wenn sie sich auf die Seite rollt und Dir ihren Bauch anbietet und eine Katze und kein Kater ist, und Du tatsächlich glaubst, ihr den Bauch kraulen zu dürfen (oder zu sollen), dann liegst Du völlig falsch und das wird sofort mit 4 Pfoten und zwei Zahnreihe bestraft! Immer! 🙂 🙂
    Aber Du kannst sehr stolz sein, dass sie überhaupt gefressen hat, wenn auch Rind (welche Katze frisst eigentlich Rinder?) die falsche Wahl war.
    Ganz lieben Dank für diesen erheiternden Beitrag und sieh es mir nach, das ich immer noch lachen muss. 🙂 Ulrike

    Gefällt 1 Person

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