Es ist die Zeit…

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Begnadete Vögel

So wie die Kraniche ihren Instinkten folgen, und im Herbst gen Süden fliegen, so gab auch ich dem Drang nach, mich in die selbe Richtung aufzumachen, um sie nochmals während ihres Aufenthaltes in Monte Vista zu erspähen, wo sie ihre Fettvorräte aufbauen, bevor sie zu ihren Winterrevieren weiter wandern.

Ich habe wiederholt über Begegnungen mit Kranichen berichtet. Mein allererster Blogbeitrag war der Suche nach ihnen gewidmet. All meine vorherigen Ausflüge ins San Luis Tal, wo sich eine ganze Reihe von Naturschutzgebieten befinden, die regelmäßig vom Erscheinen der Kraniche beglückt werden, ereigneten sich im Frühling. Bei diesem letzten Besuch wurde der ausgedörrte Boden am Ende unseres langen, trockenen Sommers von heftigen Herbststürmen heimgesucht, die an die für die Entstehung der Großen Sanddünen verantwortlichen Bedingungen erinnerten. Erde und Staub wirbelten durch die Luft, und die Halme der Gräser und Äste der Bäume bogen sich im Wind.

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Nicht die besten Voraussetzungen für die Vogelschau, aber mir war es nicht nur vergönnt, den kehligen Lauten der Kraniche lauschen zu können, die ferne Zeiten und Orte heraufbeschwören, sondern sogar einige Stunden in der Gegenwart dieser mythischen Kreaturen zu verbringen, die in Menschen schon lange Bewunderung und sogar Liebe inspiriert haben, mich Menschenkind mitinbegriffen.

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http://tanjabrittonwriter.com/2018/10/23/blessed-birds/

Herbst im Hochgebirge

Ich schrieb diese Zeilen vor fast genau drei Jahren nach einer Wanderung, und veröffentliche sie jetzt mit leichten Änderungen.

Während einer Reise in das San Juan Gebirge im Südwesten Colorados Ende September mit meinem Mann wird uns wieder bewußt, wie spektakulär die verschiedenen Ecken unseres Staates sind, und wie großartig das Hochgebirge. Das Wetter könnte besser nicht sein. Kühle Nächte wechseln sich mit warmen, sonnigen Tagen ab. Im Gegensatz zu dem temperamentvolleren Sommerwetter, müssen wir uns weniger vor heftigen Nachmittagsstürmen fürchten.

Unsere dreitägige Rucksacktour führt uns von der montanen bis in die alpine Zone. Zu Beginn umringen uns unsere Lieblingsbäume – Espen in ihrem Herbstgewand. Goldene und orangefarbene Blätter rascheln im Wind und das Ganze ähnelt einem impressionistischen Gemälde, das noch dazu seine eigene Melodie spielt. Oberhalb der Baumgrenze grüßen uns weite Täler, und der Lebensraum der Tundra. Zu dieser Jahreszeit verbleiben nur wenige Blüten, doch vor einigen Monaten rauschte hier noch ein Blumenmeer. Die eher gedämpften Herbstfarben haben aber ihren eigenen Charme.

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Durch eine bräunliche Wiese schlängeln sich grüne Bänder, und auch ein Gluckern deutet auf fließende Bergströme hin, deren Quelle wir vergeblich suchen. Die Schneefelder des vergangenen Winters haben nicht überlebt, und das Wasser scheint sich direkt aus dem Berg zu ergießen. Das angenehme Wetter lädt zu einer Pause ein, während der wir daran erinnert werden, daß wir nicht die einzigen Kreaturen sind, die sich nach Behaglichkeit sehnen. Auf der anderen Seite des Baches räkeln sich drei Murmeltiere auf sonnenerwärmten Felsen. Bald werden sie sich in ihre Höhlen zum Winterschlaf zurückziehen, denn bis zum ersten Schneefall ist es nicht mehr lang. Auch Pfeifhasen, die ständig in Bewegung sind, lassen sich sehen. Sie beäugen uns mißtrauisch und ihre schrillen Rufe warnen ihre Genossen. Ich versichere ihnen, daß sie von uns nichts zu fürchten haben.

Wir klettern aus dem Bergkessel heraus, und die Aussicht erweitert sich. Eine Bergkette nach der anderen erstreckt sich vor uns, ihre Fassaden eine polychrome Farbpalette, die sich von einem Berg auf den nächsten erstreckt, als habe eine Künstlerin ihren breiten Pinsel über die felsige Leinwand geschwungen. Entlang des Horizonts bilden sich Wolken anscheinend aus dem Nichts. Von einer Minute zur anderen erscheinen im klaren Himmelsblau zunächst Dunstschwaden, die sich bald verdichten, und die unsere Fantasie beflügeln, in ihnen ständig neue Formen und Figuren zu erkennen.

Je höher unsere Schritte uns tragen, desto unbedeutender fühlen wir uns, doch gleichzeitig desto erhabener. Wir sind dankbar, in Colorado zu leben, wo wir Zugang zu unseren majestätischen Landschaften und Bergwelten haben, die all unsere Sinne anregen, und wo wir uns besonders lebendig fühlen. Die Kunst besteht darin, dieses Glücksgefühl in den Alltag mitzunehmen, und es auch dort zu bewahren.

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http://tanjabrittonwriter.com/2018/10/09/autumn-in-the-high-country/